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4.2017




Winterthur : Antonio Calderara


von: Nicola Schröder

  
links: Antonio Calderara · La sposa, 1959, Ölfarben auf Holz, Sammlung Alfred Richterich. Foto: Serge Hasenböhler
rechts: Antonio Calderara · Case, 1959, Ölfarben auf Holz, Sammlung Alfred Richterich. Foto: Serge Hasenböhler


Die Werke von Antonio Calderara (1903-1978) sind zärtliche Liebeserklärungen an die Malerei, in einer Zeit, in der die Kunst vielfach mit grosser Geste auftrumpfte. Schon die Technik des Italieners steht für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Medium - seine stets kleinen Gemälde malte er durchwegs in mehreren Lagen Öl auf Holz. Klassisch verdichtete er die Farbe, um sie so aus sich selbst heraus zum Leuchten zu bringen. In den Vierziger- bis Fünfzigerjahren befasste sich Calderara noch weitgehend mit gegenständlichen Arbeiten. Sehr anschaulich legt die Ausstellung in Winterthur seinen langsamen, konsequenten Weg in Richtung Abstraktion dar. Sie zeigt auf, dass er Gegenstände schon früh stark stilisierte. Menschliche Figuren zeichnete er schematisch und mit eingefrorenen Zügen. Sein Hauptinteresse bestand bereits spürbar an formalen Qualitäten. Mit Hilfe von Farbwerten stellte er die Geometrie und das Licht der Räume in den Vordergrund, was zu sehr berechnet wirkenden Bildkompositionen führte. Überwiegend waren Calderaras Farben blass pastellig, nur hier und da verwendete er auch satte Töne. Vor allem sein Wohnort am Lago d'Orta im Piemont, dessen Licht und die wechselnden Stimmungen übten eine grosse Faszination und Inspiration auf ihn aus. Besonders eindrücklich zeigen das verschiedene Strassen- und Seestücke, atmosphärische Arbeiten, die sich in hellem Licht aufzulösen scheinen. Vieles vom streng angelegten, aber zart abgesetzten Formen- und Farbrepertoire späterer Arbeiten ist hier schon vorhanden.
Die konsequente Reduktion der Formen vollzog Calderara aber erst seit Ende der Fünfziger- und endgültig über die Sechzigerjahre hinweg. Oft waren seine Bilder zunächst Reminiszenzen an die Seegemälde - mit geraden Horizont­linien und einzelnen geometrische Formen, die an Häuser oder Boote erinnern. Inspiriert unter anderem von Josef Albers und Piet Mondrian löste er sich aber auch von solchen Assozia­tionspunkten. Die Ordnung der Farben und Formen zueinander sollten fortan rein schematisch sein. Calderara setzte es sich zum Ziel, die Unendlichkeit zu malen - das Schweigen, das Nichts und das alles verbindende Licht. Es wirkt wie der Versuch, die Materie zu bannen, die nicht greifbare und veränderliche Verbindung zwischen allen Dingen. Gründe dafür lassen sich im tragischen Unfalltod seiner einzigen Tochter Gabriella 1944 und in mehreren Herzinfarkten nach 1950 finden.

Bis: 30.04.2017



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Ausgabe 4  2017
Ausstellungen Antonio Calderara [11.02.17-30.04.17]
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Institutionen Kunstmuseum Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Antonio Calderara
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