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4.2017




Zürich : Lina Scheynius


von: Dominique von Burg

  
links: Lina Scheynius · Me in London Summer 2012, 2012, Analoger C-Print, Courtesy Christophe Guye Galerie
rechts: Lina Scheynius · London Summer 2016, 2016, Analoger C-Print, Courtesy Christophe Guye Galerie


Die schwedische Fotografin Lina Scheynius (*1981, Vänersborg) ist Autodidaktin und fotografiert, seit sie als Zehnjährige eine Kamera geschenkt bekam. Zunächst lichtete sie ihr Umfeld ab. Mit der Zeit hat sie den Blick auf sich selbst, namentlich auf ihren nackten Körper gerichtet. Ihre Fotografien publiziert sie seit 2006 über Flickr, später kamen Tumblr, Facebook und Instagram hinzu. In kurzer Zeit zog Scheynius mit ihren Bildern eine grosse Fangemeinde an. Die Fotografin nutzt Social Media auch als experimentellen flüchtigen Freiraum: «Ich mag es wirklich, dass auf Online nichts dauerhaft ist», erklärt sie, und dies gibt ihr ein Gefühl der Freiheit. Am liebsten dokumentiert sie ihre Fotografien in selbst veröffentlichten Fotobüchern. Ihr erstes brachte sie 2008 heraus, darauf folgte fast jedes Jahr ein weiteres, gebundenes Exemplar und nun ist mit dem eben erschienenen Buch eine neunteilige Reihe von offenen Journalen zusammengekommen. Die meisten der darin abgebildeten Nackt-, Naturaufnahmen und Stillleben sind nun in der Ausstellung zu sehen. Der Umgang von Scheynius mit Nacktheit ist erfrischend unbeschwert. Davon zeugt eine Reihe von Fotografien, die zufällig, fast roh wirken, doch atmosphärisch aufgeladen sind: Etwa wenn die Künstlerin nackt auf zerknüllten Bettlaken auf einem Bett liegt, eingetaucht in ein zartes Lichtspiel. Die Lichtführung ist raffiniert und die Komposition fein austariert. Als üppig-fleischlich nimmt sich der Blick ins Innere einer Rose aus, wo sich die Blumenblätter in verwickelten Linien überlappen. So bekundet Scheynius immer wieder in träumerisch ausgeleuchteten, pastellfarbenen oder monochromen Kompositionen ihre Liebe zur Natur.
Mittlerweile arbeitet sie vermehrt mit Andeutungen, beispielsweise mit einer leuchtend roten, angebissenen Pflaume in ihrer auf dem Oberschenkel ruhenden Hand. Diese Tendenz der Zurücknahme der eigenen Person verstärkt sie noch mit den Mehrfachbelichtungen. In ‹Me in South of France, Summer 2016› tauchen in einer doppelt belichteten Fotografie hinter einer Fülle von kleinen Blüten der Fuchsien die Kontouren der Künstlerin auf, die so mit der Umgebung zu verschmelzen scheint und dennoch mit ineinanderfliessenden Motiven ihrer Sprache treu bleibt.

Bis: 15.04.2017



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Ausgabe 4  2017
Ausstellungen Lina Scheynius [25.01.17-15.04.17]
Institutionen Christophe Guye Galerie [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Lina Scheynius
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