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Besprechung
5.2017


Katharina Holderegger Rossier :  Sonntagnachmittag am Wasser: Der Hund schmachtet in der Sonne, ein bunter Drachen steigt auf im Wind, der Blick verirrt sich in den Wellen. In einem entspannten, verspielten ­Klima überbrückt Denis Savary in der Galerie Xippas die Abgründe zwischen Abstraktion und Figuration in der Moderne.


Genève : Denis Savary - Kunst ist fest


  
Denis Savary · Eustache, 2017, Galerie Xippas, Genf (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter


Der Ableger der Pariser Galerie Xippas im Quartier des Bains hat das Genfer Publikum in den letzten Jahren nicht nur mit dem angestammten Künstlerkreis (Jouve, Ramette, Muniz, Halley) vertraut gemacht. Der lokale Direktor Pierre Geneston hat zugleich ein feines Programm mit jüngeren Schweizer Kunstschaffenden aufgebaut, das in dem 2016 dazugewonnenen Lokal nun oft die Hauptrolle spielt. Zurzeit überrascht Denis Savary (*1981) dort einmal mehr mit Erfindungen, die von der Beschränktheit musealer Räume ins Unermessliche imaginärer Welten führen.
Wie oft beim Künstler überlagern sich in den im Hauptraum gezeigten Arbeiten verschiedenste Kunsteindrücke und Alltagserfahrungen. So mahnen die teils aus Holz mit Plexiglaseinlagen, teils aus Styropor mit Ledereinfassung gefertigten Objekte an Drachen und Hunde, zugleich erinnern sie an «shaped canvas» und «figures drapées». Angeregt wurde Savary durch seine regelmässigen Besuche in Kunstmuseum Winterthur, wo Dieter Schwarz eine einzigartige Sammlung amerikanischer Malerei und Skulptur aufgebaut hat und wo sich auch die exzessiv aufgebauschten und zerknautschten Ledermöbel ‹Sfatto› von Francesco Binfare befinden. In der Werkgruppe, in der je «Drache» und «Hund» gepaart sind, findet sich zudem die Beziehung zu einem Hund von Freunden namens Eustache und die Entdeckung des Romans ‹My Dog Stupid› von John Fante gespiegelt. Indem Savary der ganzen Schau den Titel ­‹Eustache› gibt, erzeugt er eine heitere Analogie von Haustieren und Kunstwerken, die vielleicht insofern durchaus Gemeinsamkeiten haben, als man beiden einen Platz in seinem Leben geben, sie aber nie ganz und gar zähmen kann.
Weiter zeigt Savary einen zehnminütigen Experimentalfilm mit einem schwindelerregenden Zoom auf die Wellen einer abfahrenden Fähre und eine Mappe, die 250 Kopien seiner zwischen Figuration und Abstraktion oszillierenden Zeichnungen fasst. Savary bricht in seinen Arbeiten nicht nur alle Kategorien auf und lehrt uns so wieder das Staunen und Wundern. Er führt vor allem die teleologischen Konzepte der Moderne ad absurdum. Den Künstler fasziniert zudem, dass die Tochter Cornelia des Zürcher Konkreten Gottfried Honegger Insekten in fotorealistischer Manier zeichnet und die Tochter des abstrakten Bildhauers Tony Smith ein von Fabeln geprägtes Universum entwirft, anders als der Sohn Jakob von Max Bill, welcher der formalen Sprache seines Vaters treu bleibt. Alles ist möglich!

Bis: 06.05.2017


Projektion des Films, 4.5
Schau, Villa Canonica, Rom, 22.9.-29.10. en.museocanonica.it



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Denis Savary [24.03.17-06.05.17]
Institutionen Xippas Art Contemporain [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Denis Savary
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