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Besprechung
5.2017


Niklaus Oberholzer :  Der Moskauer Pavel Pepperstein hat oft in Zug gearbeitet - im Kunsthaus, aber nicht nur: Seine Wandmalereien überraschen in einer Strafanstalt und in einer Schule. Nun feiert im Museum kein Geringerer als Pablo Picasso Auferstehung, dank Pepperstein, der ihn in einer Gemäldeserie zu neuem Leben erweckt.


Zug : Pavel Pepperstein - Die Auferstehung Picassos


  
Pavel Pepperstein · Harlequin from the underground, 2016, Acryl auf Leinwand, 180x180 cm, Courtesy Nahodka Arts Ltd


Nicht rosa oder blau sind die Perioden im Werk des Künstlers aller Künstler, sondern rot, schwarz, grau, violett, grün und weiss. In der grauen Epoche entstand in sanftem Stil eine Porträt-Galerie, die schwarze gilt dem Harlekin-Motiv, die rote der Erotik. Und alle Bilder entstanden 2016 - oder 3111, wie P.P. sie signierte? P.P.? Pablo Picasso - oder Pavel Pepperstein? Am besten alle beide: Picasso ist auferstanden im Multitalent Pepperstein, der mühelos alle Gattungsgrenzen überspielt. Er inszeniert die tolle Geschichte mit Malerei, Zeichnung, Video, Text. Todernst geht es zu, wenn in den Videos die Wissenschaftler des ominösen Moskauer Instituts in abwägenden Worten die Hintergründe ihrer weltweit singulären Errungenschaft darlegen. Doch handkehrum blitzt an allen Ecken und Enden geistvolle Ironie auf. Ist Picasso, der in der weissen Periode einen Saal mit Pepperstein'schen Mondgesichtern ausmalte und zuletzt vor sich selber fliehen will, wirklich der Grösste? Ist es Kunst oder bloss Nachahmerei, was da an den Wänden hängt? Nachahmerei, weil es eben nach all dem bereits Gemachten auch für den Spieler Pepperstein nichts Neues zu produzieren gibt? Geschickt gehandhabte Nachahmerei ist es natürlich, denn Pepperstein, der als Maler in die Picasso-Rolle schlüpft und da weitermacht, wo dieser stehen blieb (etwa auf dem Weg hin zum russisch geprägten Konstruktivismus), versteht sich ausgezeichnet auf den eleganten Strich des Meisters. Natürlich steht er dazu, dass all die Minotauren und auch die schönen Frauen abgekupfert sind, wie sich denn auch Picasso selber in der Kunstgeschichte bediente. (Der Russe wird Hans Erni kaum kennen, der oft ebenfalls bei Picasso klaute, ohne das allerdings einzugestehen.)
‹Die Auferstehung Pablo Picassos im Jahr 3111› - so lautet der Ausstellungstitel. Was es genau mit der Jahreszahl 3111 auf sich hat, mag verschleiert bleiben. Doch ­sicher ist: Die «Auferstehung» präsentiert sich als mit Witz vorgetragenes, kulturpolitisches Statement mit vielen sich überlagernden Schichten. Motive sind etwa Identität, Heldenverehrung, inhaltsleere Virtuosität, aber auch - man denke an die absurden Programmen verpflichteten russischen Wissenschaftler - nationale Überheblichkeit. Peppersteins Opus magnum füllt das ganz Haus. Eines lebt vom anderen, jedes Teil trägt das Seine bei. Der Sinn liegt nicht im plakativ und auch in blutloser Routine gemalten Einzelbild. Ein Widerspruch, dass die Werke einzeln zu kaufen sind? Vielleicht ein ironischer Seitenhieb auf den Fetisch Originalität...

Bis: 21.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Pavel Pepperstein [26.02.17-21.05.17]
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Pavel Pepperstein
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