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Besprechung
5.2017


Brita Polzer :  Eine Kunst, die vor Ort die eigene Relevanz entwickle, statt sich an der Überpräsenz des Marktes auszurichten, wolle er zeigen, sagt Kurator Daniel Baumann anlässlich der Presseeröffnung. Wie könne man der «McDonaldisierung» der Kunst entkommen? Ausgestellt sind 14 Positionen von Dhaka und Dubai bis Zürich.


Zürich : SPeak, Local - lokal sprechen?


  
Ramin Haerizadeh, Rokni Haerizadeh und Hesam Rahmanian · Zeichnungen für die Animation, 2016-2017


Das Lokale, so Wikipedia, bezieht sich auf «kleine geografische Räume». Diese scheinen sich heute vor allem in Städten zu finden, denn die Künstler/innen der Ausstellung kommen aus Metropolen - aus Kalkutta, Teheran, Adelaide, Warschau, und sie leben in Metropolen - in Dubai, Dhaka, New York, Zürich, Berlin, Wien, Genf. Wie sieht «das Lokale» aus, von dem sie sprechen? Daniel Baumann zeigt in den unteren Räumen Arbeiten, die sich eher dokumentierend mit lokalen bzw. nationalen Gegebenheiten auseinandersetzen, bspw. mit interreligiösen Eheschliessungen in Bangladesch (Samsul Alam Helal, *1985) oder amateurhaften fotografischen Porträts von Polen (Piotr Ukańksi, *1968). Im mittleren Raum sind in Zellophanpapier von Zigarettenpackungen abgefüllte Kleinstfundstücke zu sehen. Der in New York lebende Yuji Agematsu (*1980) sammelt täglich filigrane Reste von u.a. Strümpfen, Fäden, Haaren oder Knochen und lässt daraus märchenhafte Haikus entstehen, die weniger Realität dokumentieren als vielmehr von einer ritualhaft durchgeführten Suche nach wunderbaren Geschichten sprechen. Zugeordnet ist diesen flüchtigen Miniaturen ein phantastischer Film des demnächst den Pavillon der Arabischen Emirate an der Venedig-Biennale bespielenden Künstlertrios Rokni und Ramin Haerizadeh, Hesam Rahmanian. ‹From Sea to Dawn›, 2017, zeigt überarbeitetes, dokumentarisches Filmmaterial von flüchtenden Menschen und fasziniert und erschreckt sehen wir, die wir in Sicherheit sind, wie sie über Strassen strömen, an Land geschwemmt werden, in zu kleinen Booten hocken. Verstärkt wird das Unfassbare durch die Bearbeitung: Man fühlt sich an Ku-Klux-Klan-Gestalten oder an eine Streetparade erinnert.
In den oberen Räumen werden neben weiteren Werken Positionen vorgestellt, die eigentlich lokale Aktivitäten sind, aus Zürich bspw. ein Ausschnitt aus Sally Schonfeldts offenem Archiv zu Frauen innerhalb von revolutionären Protestbewegungen. Philip Matesic ist mit seinen Theory Tuesdays dabei, an denen - für einmal in der Kunsthalle - jeden Dienstag ab 20 Uhr Texte diskutiert werden. «Speak local» klingt als Konzept richtig spannend und gern würde man Fortsetzungen sehen! Die gesamte Ausstellung lässt - ob ihrer (allzu) grossen Heterogenität (Nationales, Biografisches, Ethnografisches, Fragen zu Migration oder Archiven) - ein wenig ratlos zurück. Die Konzentration auf eine spezifischere Perspektive angesichts des umfassenden und so aktuellen Begriffs des Lokalen hätte sie herausfordernder gemacht.

Bis: 07.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Institutionen Kunsthalle Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Brita Polzer
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