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Besprechung
5.2017


Jana Bruggmann :  Der Künstler Markus Kummer erstellt mit seiner Ausstellung ‹# 121› ein Inventar der ganz eigenen Art. Grundlage sind 121 Lithosteine der bekannten Schweizer Steindruckerei Wolfensberger. Entstanden ist eine hochpoetische Ordnung - zwischen Raum, Zeit und Materie.


Altdorf : Markus Kummer - # 121


  
Markus Kummer · #121, 2017, Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri. Foto: F.X. Brun


Man kommt nicht umhin, an Kasimir Malewitschs suprematistische Kompositionen zu denken, wenn man die Ausstellung von Markus Kummer (*1974) durchschreitet. Neben- und übereinander reihen sich vermeintlich schwarze Quadrate in unterschiedlichen Grössen. Erst ein näherer Blick verrät die jeweilige Einzigartigkeit der rechteckigen Felder, die nicht in reinem Schwarz gehalten sind, sondern unzählige Spuren aufweisen. Es handelt sich um Risse, Kratzer und Dellen des Mediums, mit dem Kummer gedruckt hat: den Rückseiten der Lithosteine aus dem ‹Lager 1› der Steindruckerei Wolfensberger. Seit der Unternehmensgründung 1902 haben sich unzählige Handschriften von Kunstschaffenden in die Steine eingeschrieben - die Rückseiten der Steine standen hingegen bisher nie im Fokus. Hier setzt Kummer an, und es ist ebendieses Moment der Umkehrung, das charakteristisch für sein Schaffen ist. So inventarisiert er nicht nur die «falsche» Seite der Steine, er macht aus dem Flachdruck- auch ein Hochdruckverfahren. Anders als Malewitschs Malereien sind Kummers Drucke damit keinesfalls gegenstandslos. Vielmehr wird das Medium selbst - also der Stein - zum Gegenstand der Arbeiten. Kummer inventarisiert deren Form und Grösse sowie die Spuren, die im Lauf eines Jahrhunderts künstlerischer Arbeit hinterlassen wurden. Es ist das Zufällige und vermeintlich Belanglose, das ihn interessiert. Tatsächlich weisen die so entstandenen Drucke eine stupende ästhetische und poetische Qualität auf: Während einige fernen Galaxien ähneln, glaubt man auf anderen den Abdruck von Schlittschuhen im Eis zu entdecken.
Steine tauchen in Kummers Ausstellung nicht allein als Druckmedien auf. Im Innenhof ist seine Arbeit ‹Bordure›, 2016, zu sehen. Es handelt sich um Findlinge, die über Jahrtausende von Gletschern geformt wurden. Kummer hat die Steine zersägt und mit Mörtel wieder zusammengefügt - ein rätselhafter Akt. Auch an einem Kontra­punkt mangelt es nicht. Hofften Geologen, aus den Gesteinsschichten der Berge die Geschichte der Menschheit herauszulesen, konfrontiert uns Kummer in ‹Substan­tieller Abtausch›, 2016, mit einer anderen Realität. Sie besteht aus Holzplatten beklebt mit Folie in Marmoroptik. Hier begegnet uns lediglich ein ökonomisiertes «als ob», ein zeitgenössisches Trompe-l'Œil.

Bis: 21.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Markus Kummer [11.03.17-21.05.17]
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Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Autor/in Jana Bruggmann
Künstler/in Markus Kummer
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