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5.2017




Aarau : Whispering Woods


von: Mechthild Heuser

  
links: Ernst Thoma · Waldstück 2, 2016/2017, Videostill
rechts: Judith Albert · Wolfsstunde, 2009, Video, HD, 3', Farbe, Ton, Grösse variabel ©ProLitteris


Unter dem Titel ‹Whispering Woods› zeigt das Forum Schlossplatz zeitgenössische künstlerische Positionen zum Thema Wald. Die Auswahl ist mit Bedacht gewählt. Neue Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Denn vor allem in Videostills und in Fotografien findet das traditionsbehaftete Thema vielfältige neue Umsetzungen.
«Den Wald gibt es nicht. Er ist Kulturlandschaft und Wildnis, wirkt bedrohlich und bietet Schutz. Er ist das Reich der Fabelwesen und Hexen. Der Wald dient als Rückzugsort für Vertriebene und Einsiedler, für Partisanen und Rebellen. Bei Heine ist er Ort der Heimlichkeit, bei Freud der Unheimlichkeit.» Genau diese Gegensätze von Heimlichkeit und Unheimlichkeit werden in den Videostills von Ernst Thoma und Judith Albert zum Ausdruck gebracht. Während Ernst Thoma in seinem ‹Waldstück 2›, 2016/17, durch sanfte Überblendungen den Grünton seiner Szenerie an Intensität gewinnen lässt, ins Pittoreske überhöht und damit an den Geist der romantischen Malerei anknüpft, kokettiert Judith Albert in ihrem Videostill ‹Wolfsstunde›, 2009, mit der Nähe zu Horrorfilmen. In dunkler Nacht tauchen zwischen Birkenstämmen Mädchenbeine auf. Die Person selbst bleibt unerkannt. Wir sehen lediglich, wie sie die weissen Strümpfe aufrollt, welche die Beine den Birken so ähnlich sehen lassen. Im grellen Scheinwerferlicht tritt nun die verletzliche Haut zutage und die Umgebung scheint bedrohlich wie der Schauplatz eines Verbrechens.
Dass der Wald nicht nur als Projektionsfläche unserer Träume und Ängste, sondern auch als Ort eines naturverbundenen, unbeschwerten Daseins dienen kann, zeigt Victorine Müller. In einem Videostill, ‹Ohne Titel›, 2016, nutzt sie eine Waldlichtung als Setting für eine slapstickartige Inszenierung ihrer selbst in schnell wechselnden Verkleidungen aus Ästen und Laub.
Um die beschriebenen Videostills, die in der Ausstellung starke Akzente setzen, gruppieren sich, nebst Alois Mosbachers kleinformatiger Gemäldegruppe ‹Forest›, 2007, mehrheitlich Fotografien. Dabei sorgt die Ausstellungschoreografie immer wieder für interessante Konfrontationen. Ein besonders gelungenes Beispiel ist Stuart Franklins Fotoarbeit ‹Landschaft in der Nähe von Kandel, Schwarzwald›, 2008, als Vis-à-vis zu Ernst Thomas ‹Waldstück›. Im Gegensatz zu Thoma verzichtet Franklin beinahe ganz auf Farbigkeit. Trotzdem ist sein Wald genauso suggestiv malerisch, nur dass er in seinen feinen Grautönen und markanten Linien an japanische Tuschzeichnungen erinnert.

Bis: 21.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Whispering Woods [04.03.17-21.05.17]
Institutionen Forum Schlossplatz [Aarau/Schweiz]
Autor/in Mechthild Heuser
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