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5.2017




Arbon : Bob Gramsma


von: Daniel Lüthi

  
Bob Gramsma · sugarsnow, 2017, Ausstellungsansicht Kunsthalle Arbon. Fotos: Daniel Lüthi


Mitten in der grossen alten Industriehalle eine schwebende, bernsteinfarbene Landschaft. Die Schilfhalme, die sie etwa einen halben Meter über dem rauen Fabrikboden halten, harmonieren und kontrastieren schön mit den Verstrebungen des grossen Sheddachs, das als gigantisches Oberlicht Bob Gramsmas jüngste Arbeit in ein wechselhaftes Licht rückt: ‹sugarsnow, OI#17239›. Man rätselt, wie dieses Ding entstanden und wie es in diese Position geraten sein mag. «Das ist mehr als ein Schaustück in einer Ausstellung; es ist der Versuch, etwas Zwingendes, Konsistentes entstehen zu lassen, das sich unmittelbar verändert und schliesslich zerfällt», kommentiert der Zürcher Künstler. Eben erst hat er an der Biennale von Kochi in Südindien für Furore gesorgt, im Sommer wird er an der Arte Albigna im Bergell eine neue Verunsicherung präsentieren. Bei seinen Recherchen für die Einzelausstellung in Arbon stiess Gramsma auf den Zucker - die Felder rundherum mit den Rüben und die Fabrik in Frauenfeld, die daraus den weissen, süssen Kraftstoff produziert. Gramsma und seine Gehilfen schmolzen etwa 220 kg davon ein, sie verkochten den flüssigen Zucker mit Glukosesirup und gut hundert Litern Wasser. Einige Kubikmeter Schnee von der Kunsteisbahn Rorschach wurden in der Halle deponiert und geformt, die Schilfhalme aus dem nahen Naturschutzgebiet hineingesteckt und die fast 150 Grad heisse Zuckermasse darüber­gegossen. «Ein Wettlauf gegen die Zeit war das und wie immer auch ein Risiko», kommentiert Gramsma. Im Atelier und im Labor hatte er abgeklärt, wie diese Premiere funktionieren könnte. Vieles hätte schiefgehen können - aber einmal mehr war und ist der Prozess ein wichtiger Teil des Kunstwerks. «Ich mache ihn nicht zur Performance, aber im Netz wird das Making-of sichtbar sein.» Der schmelzende Schnee diente als Gussform für die langsam erstarrende Zuckerlösung. Sie erkaltete zur dünnen, langgestreckten Landschaft, die mit ihren 220 kg auf den filigranen, pflanzlichen Stützen ruht. Und so schafft die bernsteinfarbene Überdachung, in einem Schilfrohr-Wald schwebend, jetzt ein sich weiter veränderndes Darüber und Darunter. Es lässt das Publikum überlegen, interpretieren, den Kopf schütteln und schmunzeln. Und zu einem Teil des Kunstwerks werden.

Bis: 14.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Bob Gramsma [09.04.17-14.05.17]
Institutionen Kunsthalle Arbon [Arbon/Schweiz]
Autor/in Daniel Lüthi
Künstler/in Bob Gramsma
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