Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
5.2017




Basel : Claude Monet


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: Claude Monet · Le Parlement, Ciel orageux, 1904, Öl auf Leinwand, 81x92 cm, Palais des Beaux-Arts de Lille, legs de Maurice Masson. Foto: René-Gabriel Ojéda
rechts: Claude Monet · Près de Vernon, Îles aux Orties, 1897, Öl auf Leinwand, 73,3x92,7 cm, The ­Metropolitan Museum of Art, 1960


Das «Schöne der Erd», lesen wir bei Hölderlin, tragen die Maler zusammen. Auf kaum einen Künstler trifft dies im selben Masse zu wie auf Claude Monet. So manche Reise unternahm der Maler gezielt schöner Sujets wegen - Landschaften zumal. Und so kann die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel in ihrer Monet-Ausstellung in Schönheit schwelgen; das Publikum darf anlässlich des zwanzigsten Jubiläums der Fondation förmlich in ihr baden. Sind die Bilder dieser Ausstellung aber «nur» schön? Keineswegs. Schönheit verbindet sich bei Monet mit Modernität. Als Wegbereiter der Moderne, für die Schönheit ohnehin nicht länger das entscheidende Kriterium eines Kunstwerks ist, stellt uns Kurator Ulf Küster den Maler vor.
Geboten wird ein prägnanter Ausschnitt aus dem reichen Spektrum von Monets Œuvre: Landschaftsbilder der Jahre zwischen etwa 1880 und 1905 - Landschaft auch im Sinne von Stadtlandschaft, so in verschiedenen Ansichten Londons. Die Eckpunkte sind mit Bedacht gewählt. Um 1880, nach dem Tod der Gattin Camille, vollzog sich in Monets Leben und Werk ein Umbruch. Als Pionier des Impressionismus jetzt allgemein anerkannt, sicherten ihm seine Bilder eine auskömmliche Existenz; auch Reisen waren nun möglich. Künstlerisch hatte Monet eine neue Stufe erreicht, indem er das Malen selbst zum Thema machte - ein Prozess, der im Spätwerk kulminierte, auf das die Schau am Ende des Parcours mit einigen Seerosenbildern Ausblick gewährt.
Schon Monets impressionistisch flirrende Pinselschrift ist ein erster Schritt der Emanzipation der Malerei von der Wirklichkeit, ihrer Verwandlung in retinale Reize. Der Hintergrund in ‹Die Weiden, Giverny›, 1886, löst sich in Farbmaterie, ein abstraktes Spiel aus Farbpunkten und Pinselstrichen auf. Wasser, das Element des Impressionismus, wird in diesen Jahren zum Probefeld einer malerischen Entmaterialisierung der Wirklichkeit durch das Phänomen der Spiegelung. Im verschwimmenden Spiegelbild im Wasser des Hafens wirkt Antibes unwirklich, Vértheuil im Spiegelbild der Seine wie eine Fata Morgana. Und der glutrote Ball der Sonne am Nebelhimmel von London zerläuft im Wasser der Themse zu einem Informel aus roten Farbschlieren. Fast durchgängig mutiert die Metropole im Spiel der Elemente Wasser und nebliger Luft zur dunklen Schimäre: Gerade noch verhindern die in Dunst gehüllten, kaum noch erahnbaren Brücken als dürres Korsett des Wirklichen ihre malerische Auflösung in ein abstraktes Spiel aus Farbe und Licht.

Bis: 28.05.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Claude Monet [22.01.17-28.05.17]
Institutionen Fondation Beyeler [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Claude Monet
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170428164255AKX-29
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.