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Hinweis
5.2017




Basel : Andreas Frick


von: Iris Kretzschmar

  
links: Andreas Frick · Vaters Messer, 2017, Objekt, zweiteilig, Porzellan, Blech, 34x40x5 cm
rechts: Andreas Frick · Continuum, 2016, (Detailaufnahme), Wandinstallation mit Arbeiten auf Papier, Fotografien, Polaroid und kleinen Objekten von 1999 bis 2016, Masse variabel


Zeit und Auflösung sind Elemente, die das Schaffen von Andreas Frick seit den Anfängen begleiten. In der Ausstellung in der Maison 44 sind Erinnerungen zentral, die der Künstler auf subtile Weise mit den Räumlichkeiten der historischen Villa verbindet. Sorgfältig inszeniert er seine Werke und spannt über drei Geschosse ein Netz von Bezügen. Mit unsichtbaren Fäden verwebt er Gegenwart und Vergangenheit mit dem Ausstellungsraum. Im Erdgeschoss steht strassenseitig ein geöffneter Konzertflügel. Der dunkle Lack fängt das Bild des Alltags ein, der gefiltert durch die Gardinen des Fensters dringt, und wirft es auf einen dunkel kaschierten Barockspiegel. Eine Videokamera leitet den Bilderfluss der vorüberziehenden Autos, Strassenbahnen und Passanten ins Untergeschoss weiter. Hier erscheint das städtische Geschehen als projiziertes Schattenbild und macht das Verstreichen von Zeit spürbar. Im gleichen Raum hängt verloren eine weisse Kinderschaukel. Ganz aus Porzellan gefertigt wird sie zum fragilen Objekt der Erinnerung. Aus dem gleichen Material sind die weissen Metzgermesser im Obergeschoss. ‹Vaters Messer›, 2017, liegen wie Preziosen in einer Blechschale. Die Klingen sind stark abgenutzt und hauchdünn. Zerbrechlich und gefährlich zugleich, entschärft doch das weisse Porzellan die martialischen Instrumente und lässt sie zu einer Art Reliquie der Kindheit werden. Zugehörig und auch aus Keramik ist die Girlande aus S-förmigen Fleischerhaken. Aus dem Kontext gelöst werden sie zum eleganten, scheinbar harmlosen Dekor. Eine ähnliche Saite schlägt der Künstler mit ‹Fährten› an, eine Serie von Fotografien vom Meeresstrand. Die grobe Körnigkeit der Darstellung lässt an alte Lichtbilder aus dem letzten Jahrhundert denken. Dazwischen scheinen immer wieder feine, horizontale Linien auf: Es sind die herbeirollenden Wellen, die solche Strukturen erzeugen und wieder löschen. Augenblick und Dauer werden auf poetische Weise festgehalten. Die alles verbindende Arbeit und Knotenpunkt der Gesamtinstallation ist ‹Continuum›, ein Archiv aus Polaroids verlorener Werke, aus Collagen, Zeichnungen und Fundstücken - eine Art Zeitspeicher, Fundament und Zustandsprotokoll der schöpferischen Arbeit.

Bis: 10.06.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Andreas Frick [19.05.17-10.06.17]
Institutionen Maison 44 [Basel/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
Künstler/in Andreas Frick
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