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5.2017




Liestal : Brexit - Out of the Matrix


von: Ursula Meier

  
links: Vincent Whiteman · When confronting the un­known, navigators used the stars to sail across hazardous waters, aus: Guiding lights, 2017, Filmstill aus Videoinstallation
rechts: Sadie Murdoch · Dada Kopf, 2015, Giclée-Druck auf Papier, Originaldruck + AP, 58x43 cm


Die Kunsthalle Palazzo Liestal bietet in diesem Frühjahr gerade nach Austritt Englands aus der EU anerkannten britischen Kunstschaffenden und einer Schweizer Künstlerin mit Brücke zu London eine Ausstellungsplattform. Der Titel der Schau lautet ‹Brexit - Out of the Matrix? Zeitgenössische Kunst aus England›. Alle suchen in ihren mutigen Kunst­experimenten nach eigenständigen Visionen.
Der Hinterfragung einer gängigen Matrix wie der von gigantischen Machtkonstrukten, bestehend aus historischer Verfälschung, medialer Irreführung, Fehlinformationen, Ruhigstellung und gar Gewalt, fühlt sich das Künstlerduo Karen Mirza und Brad Butler verpflichtet. Ihre Videoinstallation ‹The Unreliable Narrator› handelt von den Terroranschlägen in Mumbai 2008 und bietet ein Konglomerat aus Bildern von Videoüberwachungen, abgefangenen Telefongesprächen zwischen den jungen Tätern und deren Überwachern als auch nachgestellte Bollywood-Filmszenen an.
Die von C.G. Jung referierten und oft verdrängten Schattenseiten der menschlichen Psyche erkundet die Schlüsselfigur der Young-British-Artists-Bewegung, Abigail Lane. Die etwas ironisch anmutenden, animierten Bilder ihrer Arbeit ‹Forever Always Somewhere› erinnern an Gothic-Kultur. Oberarmknochen, menschliche Becken oder Totenköpfe wirbeln beinahe choreografisch durch einen wolkenverhangenen Himmel. Die harmonischen, zugleich unkontrollierten Bewegungen stehen in Beziehung zum aus Astrofotografien von raren Ereignissen im Universum entstandenen Film ‹In Defence of Experts› von Vincent Whiteman. Die Aufnahmen wurden vorwiegend in London und Cornwall geschossen.
Eine eher konstruktive Herangehensweise wählen drei andere Kunstschaffende. Der zu den wichtigsten Vertretern der heutigen Bildhauerei gehörende Richard Deacon ist bekannt für Skulpturen mit organischen und biomorphen Formen, in denen Oberfläche, Fülle und Leere zentral sind. In der Zeichnung und Malerei von Andrew Bick hingegen dominieren Komplexität und ein Geflecht geometrischer Ausgestaltung und architektonischer Versatzstücke, die hinter teils opakem Milchglas beinahe mysteriös in Erscheinung treten. Sadie Murdoch befragt in ihren aus Archivmaterial bestehenden Fotoarbeiten die Repräsentation moderner Pionierinnen des Dadaismus und des Konstruktivismus mit Blick auf die Kunstgeschichte. ‹dark move›, die poetische Gouachearbeit auf Papier, stammt von der Schweizerin Julia Steiner. Von den hellen und dunklen Überlagerungen der Ebenen, die aus dem Bild hervorzutreten scheinen, geht eine Suggestionskraft aus, die in eine geheimnisumwitterte Sphäre versetzt.

Bis: 25.06.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Brexit-out of the matrix/Welt in Liestal [13.05.17-25.06.17]
Institutionen Kunsthalle Palazzo [Liestal/Schweiz]
Autor/in Ursula Meier
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