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Hinweis
5.2017




Meggen : hier - dort


von: Meredith Stadler

  
links: Christoph Oertli · Ethiopian Run, 2015, 1-Kanal-Video mit Ton, 14'
rechts: Lukas Geisseler · Zeichnungen der Serie Welten, 2016-17.


Am Ufer des Vierwaldstättersees findet eine Doppelausstellung von Christoph Oertli (*1962) und Lukas Geisseler (*1985) statt. Beide Künstler befassen sich mit Bewegungen, die - reell und virtuell - unsere Kulturräume formen. Oertli, dessen Basis in Basel liegt, reist viel. Im Benzeholz steht eine in Äthiopien entstandene Arbeit im Zentrum. Das Video zeigt eine Gruppe junger Afrikaner und Afrikanerinnen, die sich mit einer Reihe einfacher Gesten der Kamera zuwenden. Auf Anleitung treten sie auf der Stelle, blicken über ihre Schulter in die Linse oder ziehen sich Schuhe an. Spielt der Titel ‹Ethiopian Run› hier auf das Potenzial von Bewegung an, dem diese Generation auf zweischneidige Weise ausgeliefert ist - selbst etwas zu bewegen oder, ganz im Gegenteil, bewegt zu werden? Zwei weitere Videoarbeiten stellen ähnliche Fragen. Die eine beobachtet, wie vielfältig die kulturellen Hintergründe der Menschen sind, die in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba aufeinandertreffen. Die andere zeichnet mit dem frühmorgendlichen Brüsseler Bahnhof dagegen ein Bild der Leere: Der rein logistisch motivierte Austausch von Körpern, der hier täglich stattfindet, kann den Raum nicht nachhaltig mit Leben füllen.
Der jüngere der beiden ausstellenden Künstler konzentriert sich auf Ortschaften in seiner Umgebung. Hier pflegt Geisseler auch den ideellen Austausch im lokalen Kollektiv, sei es in Kunsträumen - aktuell im Tat-Ort an der Bernstrasse - oder an seiner mobilen ‹Trink-Theke›. Das Kunststudium in Luzern hat er vor zwei Jahren mit einem Projekt über die Steuerpolitik in Pfäffikon SZ, dem weltweit drittgrössten Hedgefonds-Zentrum, abgeschlossen. Regelmässig greift Geisseler für seine Arbeit auf empirisch messbare Ströme zurück. Jetzt fragen die Exponate in Meggen, wie der Fluss von Geld und Daten nicht nur das Gesicht, sondern auch den Begriff der Welt verändern kann. Zeichnungen von Lexika-Einträgen zur «Welt» stehen einer Videoprojektion gegenüber, die dasselbe Stichwort aus Daten des Kurznachrichtensystems Twitter visualisiert. Mit Kommunikations- sowie Geldströmen, Flüssen begrifflichen Gedankengutes und den Begegnungen sozialer Körper nimmt die Ausstellung die Durchlässigkeit gesellschaftlicher Grenzen in den Blick. Sie verweist darauf, dass sich die Frage lohnt, welche Formen der grenzüberschreitenden Bewegung wünschenswert sind. Denn: Hier ist Dort und Dort ist Hier.

Bis: 28.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Lukas Geisseler, Christoph Oertli [29.04.17-28.05.17]
Institutionen Benzeholz Raum für zeitgen. Kunst [Meggen/Schweiz]
Autor/in Meredith Stadler
Künstler/in Lukas Geisseler
Künstler/in Christoph Oertli
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