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Hinweis
5.2017




Moskau : Triennale Moskau


von: Egor Larichev

  
links: Garage Museum of Contemporary Art, 2017. Gebäudehülle von Rem Koolhaas aus Poly­carbonat.
rechts: Irina Korina · Tail Wags the Comet, 2017. Skultpuraler Pavillon als Referenz auf den sowjetischen Modernismus


Das ‹Garage Museum of Contemporary Art› zeigt nebst einer Ausstellung von Ugo Rondinone die erste Triennale zeitgenössischer russischer Kunst. Diese ist mehr als das kollektive Porträt einer nationalen, zeitgenössischen Kunstszene, sie spiegelt die allgemeine Realität in Russland selbst. Die in modischen, loftartigen Räumen lokalisierte Garage ist hier in Moskau eine sehr angesagte Institution. Sie liegt im Zentrum des Gorky-Parks und gibt vor, ein Museum ohne permanente Präsentation zu sein. Seit drei Jahren ist sie in einer stillgelegten modernistischen industriellen Kantine aus den Sechzigerjahren situiert, die von Rem Koolhas hergerichtet wurde. Initiantin ist Dasha Zhukova, die Frau von Roman Abramovich, dem Besitzer des Fussballklubs Chelsea, Oligarchen und vormaligem Governeur von Chukotka, der sein Vermögen durch den Verkauf seiner Ölfirma an den Staat machte, als die Gewinnmargen hoch waren. Seit ihrer Gründung hat die Garage eine Reihe bedeutender und exklusiver Kunstevents realisiert und nach Moskau gebracht. Die Triennale wird von der Hauptkuratorin der Garage organisiert, von Kate Fowle, und sie fokussiert wie nie zuvor auf zeitgenössische Kunst aus den russischen Regionen. Rund siebzig Kunstschaffende zeigen ihre Arbeiten in sieben thematischen Clustern, die je von einem einzelnen Kurator konzipiert wurden. So bezieht sich Ekaterina Inozemtseva bspw. mit ihrem Konzept der «persönlichen Mythologien» auf Harald Szeemanns «individuelle Mythologien» und stellt u.a. die hermetischen Welten von Vladimir Archipov und seine sowjetischen, aus der Not geborenen Do-it-yourself-Objekte vor. Auch Pavel Peppersteins zurzeit auch in Zug gezeigten Rondos aus der Serie des wiederauf­erweckten Picasso Pavel Pepperstein sind dabei. Die echte Trouvaille dieses Themenkomplexes ist jedoch der in einer Bonbonfabrik arbeitende Nikolai Panafidin, ein Erfinder von ausgeklügelten kinetischen Objekten.
Der zeitgenössische Kunsthandel hat in Russland nie wirklich funktioniert. Darauf reagiert die Triennale, indem sie als bescheidenes Rechercheprojekt die zeitgenössische russische Kunst einem internationalen Publikum zugänglich macht. Dennoch riskiert die Kunstszene hierzulande, dass sie ohne Galerien und beinahe ohne staatliche Unterstützung die Angelegenheit einiger weniger Enthusiasten bleibt. Entsprechend operiert die Triennale in einer Art molekular dünnen Membran, die sehr fragil ist und auf persönlichen Verbindungen basiert. Doch bevor sie weggeblasen wird, kann man die glamouröse Blase etwas aufpumpen und sich damit amüsieren. Das ist in der Tat sehr russisch.

Bis: 14.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Autor/in Egor Larichev
Link http://www.garagemca.org
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