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Hinweis
5.2017




Olten : Raum und Imagination


von: Adrian Dürrwang

  
links: Katharina Anna Wieser (*1980) · Mobile und Tiefdruck, 2016, Ausstellungsansicht, Courtesy Hauser Gallery Zürich
rechts: Tobias Nussbaumer · Passage, 2017, Holz, Kalkstein


Die Erweiterung der Zeichnung in den realen Raum beschäftigt die vier eingeladenen Kunstschaffenden im Kunstmuseum Olten. Das Foyer bespielt Katharina Anna Wieser (*1980). Die Besuchenden empfängt keine grosse Intervention, wie 2015 im Kunsthaus Baselland, als Wieser drei Säle mit einer schrägen Holzfläche durchschnitt. Hier zeigt sie präzise gesetzte fragile Mobiles, Zeichnungen und Druckgrafiken: Reflexionen über das Spannungsverhältnis zwischen Linie, Punkt und Raum. Auch nebenan bei Sandra Boeschenstein (*1967) greift der Strich bisweilen als dünner Faden in die dritte Dimension aus. Ihre Papierarbeiten und Wandzeichnungen bilden mit Alltagsobjekten eine doppelbödige Installation. Sprichwörtlich am «seidenen Faden» hängende Rüstmesser pendeln bedrohlich. Sie geben rätselhafte Botschaften auf der Wand preis, etwa: «tägliches Brot und gefundenes Fressen». Boeschenstein arbeitet mit vertrauten Dingen und Szenerien in Kombination mit Text, stösst unsere Suche nach Sinnhaftigkeit an und hinterfragt diese zugleich.
Im ersten Stock sind Gemälde und Zeichnungen mit geometrischen Formen von Elsie Wyss (*1927) zu sehen. Sie stammt aus dem Umkreis der Zürcher Konkreten und schafft seit den Achtzigerjahren Modelle für Skulpturen im öffentlichen Raum, die als Gruppe auf Sockeln präsentiert werden. Die Bodenarbeit ‹Lieu de mémoire› besteht aus sich wiederholenden Dreiecksformen aus Armierungseisen und wurde vor Ort ausgeführt. Die starke Position der rüstigen Neunzigjährigen kontrastiert spannungsvoll den Jüngsten, Tobias Nussbaumer (*1987). Er hängt grossformatige schwarz-weisse Zeichnungen von rätselhaften modernistischen Architekturen und Durchgängen in ein passendes räumliches Display. Seine Arbeit ist von Übersetzungen und Doppelungen geprägt. Die für Olten geschaffene Holzskulptur ‹Passage› illustriert dies. Sie erinnert entfernt an ein Klettergerüst. Gezeichnet taucht sie 2014 zuerst in der Kunsthalle Bern auf, erscheint erneut im Bild in Glarus 2015 und nun als Motiv einer Einladungskarte.
Entgrenzung hat Potenzial, wie die vier Positionen zeigen. Seit 150 Jahren öffnet sich die Zeichnung in Bezug auf den Inhalt, die Form sowie den Bildträger. Letzteres lässt sich parallel in der reichhaltigen Sammlungsausstellung, von Martin Disteli bis zu Verena Thürkauf, detailliert nachvollziehen.

Bis: 21.05.2017



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Ausgabe 5  2017
Ausstellungen Boeschenstein, Nussbaumer, Wieser, Wyss [19.03.17-21.05.17]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Adrian Dürrwang
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