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5.2017




St. Gallen/Gossau : Direktmacheting


von: Kristin Schmidt

  
Frank und Patrik Riklin · Zersägtes Büro von Roy Aggeler, Verkaufsleiter einer Ostschweizer Firma, 2017. Foto: Karl Huser


Gordon Matta-Clark hat es vorgemacht: Mit Motorsägen durchschnitt er Gebäudefassaden, Decken und Böden, trennte Hausteile heraus, legte das Innere frei. Die Gebrüder Riklin nehmen dieses Verfahren wieder auf und interpretieren es neu. Sie transformieren keine Abrissobjekte, sondern verwandeln einen Büroraum in eine Ruine. Das herausgetrennte Segment senden sie samt Schreibtisch und Mensch dahinter auf den Weg, den Weg des «Direktmachetings». Für diese Wortkrea­tion stand nicht die trennende Kraft der Machete Pate, sondern das Direktmarketing - eine eher mit negativem Image behaftete Werbemassnahme. Doch Frank und Patrick Riklin lassen sich von Problemfällen nicht schrecken, im Gegenteil. Seit Jahren agieren sie mit ihrem Atelier für Sonderaufgaben an der Schnittstelle zwischen Kunst und Gesellschaft. Sie arbeiten mit unkonventionellen Methoden an ökologischen, stadt- oder konsumspezifischen Fragestellungen. So transportiert nun ein Kran den Verkaufsleiter einer Ostschweizer Firma vor die Bürofenster anderer Unternehmen: Die Telefon­akquise erfolgt von Angesicht zu Angesicht; der Digitalisierung und Globalisierung wird mit wörtlich genommener Kundennähe begegnet. Auf dass dank Riklin'scher «Artonomie» die Verkaufszahlen steigen.



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Ausgabe 5  2017
Autor/in Kristin Schmidt
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