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Editorial
6.2017




Editorial - Wege und Begegnungen in Athen


  
TITELBILD · Aboubakar Fofana · Ka touba Farafina yé (Afrika-Segen), 2017, 54 Lämmer, afrikanischer Kontinent, Indigo, Weideland, Menschen, Landw. Univ. Athen, documenta 14. Foto: Stathis Mamalakis


Wir sind früh aufgebrochen, noch sind die Hauptschauplätze der documenta 14 in Athen geschlossen. Doch in einer Quartierstras­se auf halbem Weg nach Piräus steht die Tür eines Workshops offen. Hier treffen wir auf einen baumlangen Mann, der uns ­zunächst etwas rumschauen, mit den Händen über die samtig ­geschliffenen Holztische streichen, die sorgfältig platzierten ­Körbe anfassen und auf die Plastikbottiche schielen lässt.
Bald erfahren wir mehr: Aboubakar Fofana aus Ghana hat hier eine Indigofärberei eingerichtet und erklärt, wie Indigopflanzen in Afrika und der übrigen Welt kultiviert, geerntet, gestampft und getrocknet werden. Dann öffnet er den Deckel eines Bottichs, taucht ein Stück Stoff in eine dunkle Brühe ein, wäscht den jetzt blau getönten Lappen in einem Kübel Wasser aus und erzählt, wie der kostbare Farbstoff zwischen sesshaften und nomadischen Völkern gehandelt wurde und weshalb er antiseptisch wirke. Seine detailreichen Ausführungen enden bei den 54 Schafen und deren Suche nach besseren Weidegründen, die er bald - stellvertretend für all die Migrierenden aus 54 afrikanischen Staaten - von Athen nach Kassel schicken will, versehen mit einem schützenden, heilenden Indigo-Segen.
Die Zeit drängt. Wir brechen auf, steuern den nächsten und übernächsten documenta-Schauplatz an und vertiefen uns in eine Fülle von Ausstellungen und Performances. Abschliessend, drei Tage später, besteigen wir den Hügel Filopappou. Auf dem verspielt präzis in den Pinienhain eingeschriebenen Fussweg des griechischen Architekten Dimitris Piktionis wird das Motto ­‹Learn­ing from Athens› konkret - beim Blick auf die Millionenstadt und die Akropolis und beim Rückblick auf die intensiven, ins Stadt­geschehen eingeflochtenen Begegnungen und ästhetischen Erfahrungen rund um zentrale Themen unserer Zeit. Claudia Jolles



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Ausgabe 6  2017
Autor/in Claudia Jolles
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