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Besprechung
6.2017


Raimar Stange :  In ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Sprüth Magers zeigt die Künstlerin Pamela Rosenkranz neue Bilder sowie eine Installation komponiert aus Sand, Licht und Duft. Das Resultat sind zwei Denkräume, in deren Zentrum die Katze als konkretes Symbol für den menschlichen Umgang mit Natur steht.


Berlin : Pamela Rosenkranz - Hyperreale Katzenlandschaft


  
Pamela Rosenkranz · She Has No Mouth, 2017, Ausstellungsansicht Galerie Sprüth Magers, Berlin. Foto: Timo Ohler


Die Ausstellung von Pamela Rosenkranz (*1979, Altdorf) ‹She Has No Mouth› ist während des diesjährigen Gallery Weekend in Berlin ein Geheimtipp geblieben, zu komplex ist dieses Hybrid aus Installation und Einzelwerk, um die verdiente grössere mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Komplex ist es vor allem deswegen, weil sie mit ihrem mehrteiligen Parcours ein dichtes Netz von inhaltlichen Referenzen rund um das Themenfeld «Natur versus Kultur versus Wissenschaft» entspinnt.
Der erste Raum der Schau ist von der kreisrunden an der Wand hängenden Skulptur ‹Alien Blue Window› in ein blaues Licht getaucht, das den Eindruck eines künstlichen Mittagshimmels suggerieren soll. Gleichzeitig ist aus dem schwarzen, ebenfalls kreisrunden Lautsprecher ‹Amazon Echo (Conservation With A Cat)› zu hören: eine rückwärts abgespielte Konversation zwischen einem Menschen, der sich mit einer Katze «unterhält». Den zweiten, grösseren Raum, dominiert dann die Installation ‹She Has No Mouth›: eine Fläche Sand, wiederum künstlich beleuchtet und zudem einparfürmiert mit einem Duft, der mit Hilfe des Katzenpheromons Civeton hergestellt wird. Dieser Duftstoff wird u.a. auch in Männerparfüms eingesetzt, aber auch in Fallen als Lockmittel für Raubkatzen. Der Titel dieser hyperrealen Landschaft spielt auf die japanische Comickatze ‹Hello Kitty› an, die bekanntlich keinen Mund besitzt.
So generiert sich langsam besagtes Netz an inhaltlichen Verweisen, die mal sehr direkt, mal eher verhalten nach dem widersprüchlichen Verhältnis von Kultur und Natur fragen. Die an der Wand hängende neue Bilderserie ‹Pattern Tension› spinnt dieses Netz weiter mit Gemälden, deren Grundlage Fotos von Katzen sind, die Rosenkranz im Internet gefunden hat. Diese Bilder hat sie anschliessend mit transparenter, hautfarbener Acrylfarbe überzogen. Dabei betont die Künstlerin immer wieder das Tarnmuster des Katzenfells, dessen Streifen im Lauf der Evolution das Spiel von Licht und Schatten aus Tarnungszwecken nachahmen. Die überwiegend sandfarbenen Bilder treten zudem in einen Dialog mit dem Sandhaufen in der Mitte des Raums, der wiederum an natürliche Lebensräume von Katzen erinnern soll. Interessant, wie solche Verweise mal über sinnliche Reize funktionieren, mal über semantische Kurzschlüsse, wie etwa bei den Titeln oder der Soundarbeit. In der Tat: Rosenkranz konfrontiert uns hier mit einer überaus komplexen Angelegenheit!

Bis: 17.06.2017



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Ausgabe 6  2017
Ausstellungen Lucy Dodd, Otto Piene, Pamela Rosenkranz [29.04.17-17.06.17]
Institutionen Sprüth Magers Berlin [Berlin/Deutschland]
Autor/in Raimar Stange
Künstler/in Pamela Rosenkranz
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