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Besprechung
6.2017


Irène Unholz :  Die erste Retrospektive von Peter Schuyff gewährt Einblick in seine frühe Schaffensphase – mehrere Werkreihen, die zwischen 1981 und 1991 in New York entstanden. Visueller Schein wird zugleich konstruiert und offengelegt. Schuyff schuf damit L’art pour l’art, die Spass macht.


Fribourg, Dijon : Peter Schuyff - Malerei über Malerei


  
Peter Schuyff · Ausstellungsansichten Kunsthalle Fri Art, 2017. Oben: Acrylgemälde, 1987; unten: Acrylgemälde, 1985-1986. Fotos: Max Reitmeier


Die Ausstellung zu Peter Schuyffs (*1958, Baarn) frühem Werk beginnt schon im Eingangsbereich der Kunsthalle: Mit blauen und gelben Streifen bemalte Wände erinnern entfernt an Burens Streifenmotiv, das erst kürzlich Tür und Fenster des Fri Art blickdicht machte. Ein netter Zufall, oder nicht? Auf jeden Fall wird es nicht nur bei dieser kunstgeschichtlichen Assoziation bleiben. Zuallererst packen einen die Gemälde aber mit ihrem Format und ihrer Farbigkeit. Das grösste unter ihnen ist ­etwas mehr als drei Meter hoch und breit und spielt mit kleinen Quadraten in Rot, Gelb und Blau. Diese Farben tauchen pur und abgestuft auf. Aus mittlerer Distanz ergibt das einen leuchtend-vibrierenden optischen Effekt, bei dem die einzelnen Felder miteinander verschwimmen. Die Illusion löst sich auf, sobald man nahe herantritt. Ein über die Leinwand gezogenes Bleistiftraster wird erkennbar und spätestens damit die Bezugnahme auf Mondrian. Aus weiterer Ferne betrachtet erzeugen nebeneinanderliegende gelbe Quadrate ein weiteres Raster. Typischerweise bedient sich Schuyff malereigeschichtlich oft radikaler formaler Konzepte. Sie bilden das Repertoire für Bilder, deren eigene Aussage neutraler nicht sein könnte. Nicht selten blitzt dabei ein raffinierter Humor auf, so auch bei einer Gemäldegruppe mit sich überlagernden, nicht rechtwinkligen Vierecken und für dieses Motiv etwas gar dramatischen Lichteffekten. Immer wieder ist die dünn aufgetragene und geschichtete Farbe als solche erkennbar. Unvollständig bemalte Seiten der Leinwände und vereinzelte Farbspritzer rufen ebenfalls in Erinnerung, dass es sich um Malereien handelt.
Eine Etage weiter oben thematisiert der Künstler optische Tiefenwirkung und Flächigkeit des Mediums noch ausdrücklicher. Von poppigen Mustern überzogene biomorphe Formen scheinen vor den flächig bemalten Leinwänden im Raum zu schweben. Die mit Hell-Dunkel-Kontrasten überzeichnete Plastizität dieser Gestalten bewirkt, dass sie einem schon beim zweiten Mal Hinschauen völlig selbstverständlich und bekannt vorkommen. Trotz ihrer offensichtlichen Abstraktheit wirken sie erstaunlich real. Daneben befindet sich eine Sammlung kleinerer Arbeiten auf Papier. Hier gibt es jede Menge zu entdecken, darunter Körper- oder Architekturskizzen, über die Schuyff geometrische Formen gemalt hat. Auf gegenständliche Malerei treffen seine Abstraktionen auch bei den ‹Overpainted Paintings› - gefundenen Gemälden, die er übermalt hat - wovon sich eines beim Empfang versteckt.

Bis: 07.01.2018



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Ausgabe 6  2017
Ausstellungen Peter Schuyff [02.02.17-18.06.17]
Ausstellungen Peter Schuyff [06.10.17-07.01.18]
Institutionen Fri Art Centre d'Art de Fribourg [Fribourg/Schweiz]
Institutionen Le Consortium [Dijon/Frankreich]
Autor/in Irène Unholz
Künstler/in Peter Schuyff
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