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6.2017




Baden : Märkte und Menschen


von: Feli Schindler

  
links: Meshac Gaba · Manpower, 2017, Puzzle © ProLitteris. Foto: Rolf Bismarck
rechts: Binelde Hyrcan · Cambeck, 2013, Video, 11'19''


Fünf Künstlerinnen und Künstler aus Afrika, Holland und der Schweiz holen unter dem Titel ‹Märkte und Menschen› die globale Wirtschaftswelt nach Baden. Ein mit Karamell übergossener Kronleuchter von Ursula Palla veranschaulicht gleich zum Auftakt Aufstieg und Niedergang der Bündner Zuckerbarone. Die triefende braune Masse symbolisiert ästhetisch vollendet die Dekadenz des Geldadels. Zucker - Welthandelsgut und Lockstoff par excellence - streut die Videokünstlerin auch auf Tausendernoten und lässt Ameisen darauf herumtrippeln. Aber was heisst da trippeln? Der Kampf ums Fressen, das Abtransportieren feister Fetzen durch die Grossen und die Mühe der Kleinen, etwas abzukriegen, liefern Anschauungsunterricht pur. Es wimmelt von unkoordinierten, aggressiven Wesen, die im Verteilkampf ums Geld so anders funktionieren als in freier Natur, wo sie die Beute wohlorganisiert in den Gemeinschaftsbau tragen.
Der an der Documenta 11 mit seinen Räumen für afrikanische Gegenwartskunst bekannt gewordene Meshac Gaba ergänzt sozusagen seine von der Tate Modern erworbene Arbeit mit einem Spielzimmer. Er baut ein Riesenpuzzle von Kreditkarten um das Antlitz eines Buben herum, das man nach Lust und Laune auseinandernehmen und wieder zusammensetzen kann. Globales Gamen und Gamblen von Kindsbeinen an. Der Holländer Mark Vennegoor wiederum hängt neben gepresste Ballen von Altkleidern eine in Folien konservierte Plätzchen-Arbeit an die Wand. Wer einen Obolus bezahlt für die von guatemaltekischen Frauen gewebten Stoffe, darf ein Stück nach Hause tragen und wird später digital mit dem Gesamtkunstwerk bedient. Die Altkleidersammlerin fragt sich natürlich: Tu ich damit Gutes oder steck ich schon mittendrin im perfiden Handel? Ebenfalls Teil dieser tollen Ausstellung ist der Film von Binelde Hyrcan, der afrikanische Kinder zeigt, die im Sand reiche Leute spielen. Oder die Installation von Rémy Markowitsch, der mit hängenden Riesenzwiebeln das spekulative Optionengeschäft mit dem Grundnahrungsmittel der Armen aufs Korn nimmt. Mit dem Hinweis auf die wie pummelige Ballerinas ausschauenden Objekte fragt der Luzerner Künstler: «Haben Sie auch schon einmal einer Zwiebel unter den Saum geschaut?» Und gibt gleich die Antwort: «Das hat etwas Zotiges - wie der Markt.»

Bis: 09.07.2017


‹Ehrliche Torten›, Performativer Zvieri mit Ursula Palla, 11. 6, 16 Uhr



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Ausgabe 6  2017
Ausstellungen Märkte und Menschen [30.04.17-09.07.17]
Institutionen Kunstraum Baden [Baden/Schweiz]
Autor/in Feli Schindler
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