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6.2017




Düsseldorf : Marcel Broodthaers


von: Katja Behrens

  
links: Marcel Broodthaers · Section Publicité du Musée d'Art Moderne, Département des Aigles, 1972, Vielteilige Installation, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf ©ProLitteris
rechts: Marcel Broodthaers · Modèle: La Pipe, 1969, Farbe auf vakuumgeformtem Plastik, 83,5x 121x0,5 cm, Moma, New York ©ProLitteris. Foto: Peter Butler


Der belgische Journalist, Filmemacher, Autor und Lyriker Marcel Broodthaers (1924-1976) war 1964 fast zufällig zum bildenden Künstler geworden, als er, wegen des mäs­sigen Erfolgs missgestimmt, einige Exemplare der Restauflage eines seiner Bücher zu einer Skulptur zusammengipste. Wort und Bild in all ihrer Widersprüchlichkeit sollten fortan ein wichtiger Bestandteil seiner vielfältigen Arbeiten sein. Das grosse Vorbild René Magritte ist allenthalben gegenwärtig: Melone und Pfeife, Schrift und Bild, Wortspiele, sich überlagernde Zeichensysteme, rhetorische Objekte. Der «Verrat am Bild» bleibt dann auch Broodthaers grosses Thema bei der Suche nach einem neuen Alphabet der Kunst. Ebenso ist die gesellschaftliche Rolle des Museums von Beginn an ein wichtiges Thema für den Künstler, was 1968 in der Gründung des ‹Museums für moderne Kunst› in seiner Brüsseler Wohnung gipfelt.
Die Retrospektive, die jetzt aus New York und Madrid in Düsseldorf angekommen ist, der Beuys-Stadt, in der Broodthaers selbst von 1970 bis 1972 lebte, ist eine famose Schau, die auch in ihrer dritten Station wunderbar und sensibel inszeniert ist. Sie ordnet das vielfältige, zwischen Pop und Konzeptkunst changierende Werk des Belgiers zu sinnvollen Blöcken und Räumen. Gedankenblitze, Assoziationen und Zusammenhänge wollte der Künstler ja selbst bei seinen ortsbezogenen Installationen, den Décors, anbieten. «Die Ausweitung der Poesie in den Raum», das sind die unzähligen Adlerbilder, die historischen Gemälde, Postkarten von Kunstwerken, Schrifttafeln und kurze Filme, Vitrinen, Palmen und Gartenmöbel, alte Stiche von Vögeln und anderem Getier, gefundene Objekte, schwarze Muscheln, Fritten und Eierschalen... Irgendwie hängt alles zusammen, und irgendwie kann man sich nicht sattsehen.
In einer Stadt, die das Konzept des erweiterten Kunstbegriffs schon früh gelernt und tief verinnerlicht hatte, war Broodthaers ein gern gesehener Gast. Kunsthallenchef Jürgen Harten hatte ihn 1970 nach Düsseldorf eingeladen, an dem experimentellen Ausstellungsformat ‹between› teilzunehmen. Der Künstler richtete am Burgplatz eine Sektion seines Museums ein, die Künstlerschaft des Rheinlands bildete ein dichtes Netz, alles fühlte sich fast an wie Familie.
Broodthaers Arbeiten bleiben kritisch, poetisch und skurril auf liebenswerte Weise. Der viermalige documenta-Teilnehmer kann gar nicht oft genug wiederentdeckt und erspürt werden.

Bis: 11.06.2017



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Ausgabe 6  2017
Ausstellungen Marcel Broodthaers [04.03.17-11.06.17]
Institutionen K21 Kunstsammlung NRW [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
Künstler/in Marcel Broodthaers
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