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6.2017




Orbe : Walter Mafli


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Walter Mafli · Ohne Titel (Abstraktion), 1991, 81x130 cm
rechts: Walter Mafli, · Ohne Titel (Gartenmobiliar), 1991, 81x100 cm


«Ein derartiges Leuchten, wie es meine Mutter in ihrem Blick trug, habe ich nie wieder gesehen. Bei meinem Vater habe ich mich hingegen manchmal gefragt, ob er ein Herz hat.» Walter Mafli (*1915) ist als unehelicher Sohn einer Taubstummen und eines Kriegs­gefangenen aus der K. u. K.-Monarchie geboren worden. Auf die schweren Jahre im Waisenhaus, in das er von 6 bis 16 Jahren auf Kosten des Vaters gesteckt wurde, der gleichzeitig den Kontakt ablehnte, folgte eine Lehre und Arbeit als Plattenleger und Kaminbauer. Dieser harte Alltag hielt ihn nicht davon ab, seine frühe Begabung für das Zeichnen und Malen in Ateliers etwa bei Galli, François Barraud oder L'Eplattenier weiterzuentwickeln. Dabei setzte er sich mit unterschiedlichsten Strömungen auseinander - mit fluktuierenden malerischen Ansätzen bis zu totemistischen und psychedelischen Bildwelten in den Siebzigerjahren. Seither kultiviert er ein Oszillieren zwischen ­einer geometrischen Abstraktion und grosszügiger Landschaftsmalerei und Stillleben. Zudem finden sich da und dort Blicke auf Körper und Gesten von Frauen.
Der inzwischen 102-jährige Mafli könnte als postmoderner Maler vor der Postmoderne durchgehen, auch wenn er gerade im post-modernen Kunstbetrieb und seinen diversen Diskursen nicht mehr mitkam. Seinen Durchbruch feierte er nicht in einem White Cube, sondern im Restaurant de l'Hôtel de Ville von Frédy Girardet in Crissier, das exklusiv mit Gemälden von Mafli bestückt ist. Bisher hat ihn nur das Museum an seinem Wohnsitz in Pully in Ausstellungen und für Ankäufe berücksichtigt. Dafür ist er bei der durchaus strengen helvetischen Kanonisierungsinstanz, dem SIK-Lexikon, heute immerhin mit drei von fünf Punkten notiert.
Vor allem vor den Orginalen wird sein sensi­bler Umgang mit Masse und Farbresonanzen deutlich. Die Verbindung von einer sich in den Raum ausdehnenden Revolte in eine auf die Bildfläche zurückführende Resilienz, die in jedem seiner Werke spürbar ist, erschüttert und berauscht. Sein Werk wirkt wie eine stille Suche aus tiefer Not nach dem mit tiefer Einfühlung und Erkenntnis aufgeladenen Spiegel des Sichtbaren des ersten Augenpaars, das ihn angeblickt hat. Neben dem Gasthof in Crissier ist zurzeit eine breitere Auswahl seiner Werke in der Galerie Zwahlen in Orbe zu sehen.

Bis: 25.06.2017



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Ausgabe 6  2017
Ausstellungen Walter Mafli [14.05.17-25.06.17]
Institutionen Galerie Zwahlen [Orbe/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Walter Mafli
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