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Hinweis
6.2017




Vaduz : Christoph Luger


von: Karlheinz Pichler

  
Christoph Luger · Ausstellungsansicht Kunstraum Engländerbau, 2017 © ProLitteris. Fotos: Rudolf Sagmeister


Mit fast mönchisch auferlegter Strenge vollendet der in Wien lebende und arbeitende Künstler Christoph Luger Woche für Woche eine Arbeit. Als Bildträger verwendet er hochwertige Papierbahnen, die er überein­ander und an die Wand klebt und tackt und am Wochenende wie eine Haut wieder von der Wand ablöst. Die Farben stellt er selber her. In den Behältnissen mit Pigmenten und verschiedensten Substanzen oder den Kübeln mit Knochenleim, Ei-Emulsionen und anderem gärt und riecht es wie im Labor eines Alchimisten. Die feine Nase des mörderischen Protagonisten in Patrick Süsskinds ‹Parfüm› hätte hier ihre liebe Not gehabt.
Mit Hilfe der Bahnen und der Farbe erzeugt Luger Farbfeldstrukturen. Die einzelnen Felder werden teils mit gestischen Ausholungen farblich gefüllt, immer wieder unterbrochen und ergänzt durch geometrische und zeichenhafte Einschreibungen. Die Verletzungen des Papiers, die Fremdmaterialien, die eingearbeitet sein können, ob dies nun ein Bierdeckel, eine Briefmarke oder etwas anderes sein mag, erinnern an Techniken wie Collage und Decollage.
Der Künstler arbeitet auf einer Leiter ganz nah am Papier. Der pastellene Charakter und das Zeichenhafte verleihen diesen papiergeschichteten «Farblandschaften» einen ungemein poetisch-lyrischen Impetus. Sie wirken nie illustrierend, sondern als Empfindungsträger subjektiver Verwirklichung. Sind Neues schaffend genauso wie Spurensuche, utopische Archäologie genauso wie Kommunikationsnetzwerk an der Schnittstelle von Raum, Werk, Künstler und Betrachter.
Luger beherrscht mit seinen Grossformaten auch schwierigste Räume. Kaum einmal etwa waren Werk und Raum im Kunstraum Engländerbau derart gut aufeinander abgestimmt wie bei Lugers hier aktuell laufenden Ausstellung. Was vielen Kunstschaffenden überhaupt nicht gelang, nämlich dem Kunstraum Vaduz seine extreme Grösse zu nehmen, gelingt Luger mit ein paar wenigen Arbeiten. Mit zwei monumentalen Werken, die wie riesige Farbvorhänge von der Decke hängen und die dem Betrachter den Blick auch auf die Durchlässigkeit und die ­Verletzungen der Papierbahnen von der Rückseite her ermöglichten, halbiert er gleichsam den Raum. Mit wenigen, aber effizienten Mitteln schafft er es, die überaus gross dimensionierte weisse Halle «gefügig» zu machen. Wie sanfte Farbbahnen, die den Umraum mit einbeziehen, verhalten sich die lyrischen Arbeiten. Luger macht sich den Kunstraum sozusagen dienstbar. Statt auf die Werke zu drücken, verhält sich der weisse Kubus zu immens grossen Arbeiten wie ein fein abgestimmtes Gesamtpassepartout.

Bis: 11.06.2017



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Ausgabe 6  2017
Ausstellungen Christoph Luger [12.04.17-11.06.17]
Institutionen Kunstraum Engländerbau [Vaduz/Liechtenstein]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in Christoph Luger
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