Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
6.2017




Zürich : Macht Ferien!


von: Thomas Schlup

  
links: Herbert Leupin · Op weg naar Zwitserland goedkoopere benzine voor toeristen, 1939, Plakat, Courtesy Museum für Gestaltung, Plakatsammlung
rechts: Eugen Bachmann · Ski suisse, Plakat, 1971, Courtesy Museum für Gestaltung, Plakatsammlung. Foto: Dieter Zopfi


Keine Angst, es ist nicht das Museum, das Ferien macht und dies also kundtut. Es ist der Titel einer Ausstellung im Museum für Gestaltung im Toni-Areal, die Plakate zeigt, welche in den vergangenen hundert Jahren zum Ferienmachen in der Schweiz eingeladen haben. Sonnig sind die Ansichten, die in vertikalen Bahnen unter der Decke hängen und sich mit den Luftströmungen leicht bewegen. Bis weit in die Dreissigerjahre blieben aber Ferien für die meisten Arbeitnehmenden nur Wunschtraum - erste Gäste in der Schweiz waren vermögende, abenteuerlustige Personen aus Grossbritan­nien, der Insel mit Tee, Cricket und Regen. Natur, Schnee, blauer Himmel, malerische Städte und eine intakte, liebliche Landschaft sind die Hauptthemen, mit denen die Sujets spielen. So zeigt 1937 ein Werk von Walter Herdeg die St. Moritzer Sonne, die auf einen englischen Bobby scheint. Aus dem gleichen Zeitraum stammt Herbert Leupins saubere weisse Stras­se, die sich in S-Kurven durch das unverbaute Heimatland schlängelt. Dazu passt die offizielle Strassenkarte der Schweizerischen Verkehrszentrale von 1935 mit dem Hinweis, dass für «ausländische Autotouristen der Benzinpreis [...] auf 36 Cts/lt» angesetzt worden sei, gegenüber 42 Cts/lt für Einheimische. Weitere Karten, Flugpläne und Prospekte liegen ergänzend auf, Besuchende können zudem für einen Wettbewerb ihr eigenes Sujet gestalten. Die Kuratorin Bettina Richter legt den zeitlichen Schwerpunkt auf die Dezennien vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Für die Präsentation werden Reproduktionen verwendet; nur in der ‹Schatzkammer› sind unter konstanten Lichtverhältnissen einige Originale aufgehängt, darunter ‹La Plage Publique des Eaux-Vives›. Das fügt sich nahtlos in die Reihe ein, entpuppt sich bei näherem Hinsehen aber als Werk aus der Feder von M+C Saatchi von 2010 - www.laplagepubliquedeseauxvives.ch ist klein vermerkt. In Nischen können auf Landi-Bänkli stilecht einige heroische bis humoristische Stilblüten der Tourismuswerbung betrachtet werden; von der Facebook-Werbung ‹Ferien ohne Facebook› bis zur legendären Spaghetti-Ernte im Tessin, ­einem 1957 durch Charles de Jaeger und Richard Dimbleby realisierten Beitrag für die Sendung ‹Panorama› der BBC. Und wenn es vom Eingang her rattert, bimmelt und tutet, dann rollt ‹Switzerball› von Charles Morgan.

Bis: 09.07.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 6  2017
Autor/in Thomas Schlup
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170526130320HAW-34
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.