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Besprechung
7/8.2017


Feli Schindler :  Ein Sesselrücken: Wo in der Badener Langmatt üblicherweise Monet und Renoir ihren Platz behaupten, erzählen nun grossformatige Ölgemälde von den Helden des Alltags in Schrebergärten und hinter Geräteschuppen. Farbgewaltig entwirft Léopold Rabus eine Gegenwelt zu den Impressionisten des Hauses.


Baden : Léopold Rabus - Verschupfte und Heilige


  
links: Léopold Rabus · Jardin, 2015, Öl auf Leinwand, 220x300 cm, Courtesy aeroplastics Brussels
rechts: Léopold Rabus · La nuée, 2014, Öl auf Leinwand, 210x300 cm, Courtesy aeroplastics Brussels.


Glückliche Hühner sehen anders aus: Eine Schar Vögel, zusammengeschubst auf engem Raum, wendet sich dem einzigen Lichtstrahl zu. Auf dem Boden liegt ein gerupftes, totes Etwas. Es blutet. Der Ring eines Futternapfs und ein Hahn, der aus dem Bild schreitet, bilden spärliche Farbtupfer. Über allem lastet Düsternis. Man denkt beim Anblick von ‹La nuée› unwillkürlich an barocke Malerei. «Ich liebe das Chiaroscuro», sagt Léopold Rabus. Der Kunstmaler aus der Romandie versteht es in der Tat, den Pinsel virtuos zu führen. Auch der Alte auf dem Bild ‹L'homme trempant un tissu dans une flaque›, der vor einer Hütte einen Lappen in einer Pfütze schwenkt, wuselt im Widerschein einer Laterne herum, als hätten die alten Meister Pate gestanden. «Sieht er nicht ein bisschen aus wie Saint Jérôme?», freut sich der Vierzigjährige. Das Modell, das Rabus wie alle seine etwas verschupften Protagonisten in der ländlichen Umgebung Neuenburgs findet, abfotografiert und dann nach Vorlage malt, sei einst ein attraktiver Mann gewesen. «Mais les drogues...», fügt der Künstler an. Mit Empathie porträtiert Rabus seine Alltagshelden, ohne Gesellschaftskritik ausüben zu wollen. «Malen macht mir einfach Freude», bemerkt der Autodidakt, der in seinen künstlerischen Anfängen das Monströse und Karikaturhafte pflegte. Von der heiteren Seite zeigt er sich in Baden gleichwohl: Auf dem Jurahöhen-Bild ‹Jardin› etwa vermitteln grüne Wiesen und strahlend weisse Damenwäsche fast heimatliche Gefühle, wären da nicht ein seltsam missmutiges Vogelhäuschen und aufgespiesste Ohren auf Pfählen. Ein Intérieur mit steifer Forelle - hingestellt, als wärs ein Skateboard -, duftende Bienenwachshäuschen oder schielende Vögel in den Vitrinen setzen witzig-schräge Akzente .
Ja, und wie steht es mit der Erotik, die mit einem knackigen Hintern in Weltformat das Image der Langmatt womöglich etwas aufpeppen sollte? Schnee von gestern, argumentieren die Habitués. Denn auch Degas' Frauenakt im Obergeschoss, wo sich temporär die Impressionisten befinden, präsentiert sich in schönster Blösse. «Ich male allerdings nicht mit realen Modellen. Es würde mich erregen», bekennt der Neuenburger freimütig. Rabus' Offenheit, die Liebe zu den Menschen und zur Natur hat er schliesslich mit der Muttermilch aufgesogen: Die Eltern, Künstler auch sie und freigeistige Alt-68er, teilen mit dem Sohn inmitten von Blumenwiesen und Gemüsebeeten eine zauberhafte Ateliergemeinschaft über dem Neuenburgersee. «Ich bin ein Glückskind», sagt Rabus.

Bis: 03.09.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Léopold Rabus [21.05.17-03.09.17]
Institutionen Museum Langmatt [Baden/Schweiz]
Autor/in Feli Schindler
Künstler/in Léopold Rabus
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