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Besprechung
7/8.2017


Philipp Spillmann :  Der Schweizer Künstler Florian Bühler malt merkwürdige Stillleben, die zwischen belanglosem Alltagsidyll und aufgeladenem Tatort pendeln. Die Galerie Katz Contemporary zeigt jetzt seine neusten Werke. Bühler tritt als Fallenleger auf, der uns mit trügerischen Idyllen lockt.


Zürich : Florian Bühler — Camouflage der Zeichen


  
Florian Bühler · Nachtkastel, 2017, Öl auf Leinwand, 32x46 cm, Courtesy Katz Contemporary, Zürich


Es gibt da einen seltsamen Bereich, irgendwo zwischen bewusster Erfahrung und unbewusster Existenz. Ein Ort in uns, an dem etwas stattfindet, das wir bemerken, aber doch nicht richtig greifen können. Jener Ort, an dem sich Sinnestäuschungen einnisten, vage Gefühle aufdrängen und leise Ahnungen anbahnen. Es ist dieser Ort, der in den Malereien von Florian Bühler (*1983) sein zwielichtiges Schattenspiel treibt. In seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Katz Contemporary tritt er als Fallenleger auf, der uns in trügerische Beinahe-Idyllen tappen lassen lässt.
Die Ausstellung trägt den Titel ‹Fallen - Ach wie gut, dass niemand rumpelt›. Sie besteht aus einer Zusammenstellung fotorealistischer Stillleben im Klein- bis Mittelformat, die zunächst einmal belanglose Szenen aus dem heutigen Alltag zeigen: ein Kaminfeuer, eine Türklinke, verfaulende Früchte, einen Haufen zusammengefalteter Leinwände. Nicht wenige Motive stammen aus dem Atelierleben von Graf. Ein bunter Haufen belangloses Zeug, das sich verdächtig unauffällig gibt. Aber etwas irritiert: Zwischen dem ganzen Krempel verstecken sich Objekte von fast morbidem Charakter: eine Kleinkollektion blitzender Jagdmesser, eine Hasenfalle auf einem rosa Tuch, ein Föhn auf der Kante einer Badewanne, der den im Wasser liegenden Füssen bedrohlich nahe kommt. Sie verströmen ein gewisses Unbehagen, das auf die restlichen Bilder abfärbt. Szenen, die zuerst nur etwas komisch anmuten, kippen langsam ins Suspekte. Nach und nach begreift das Auge, woran das liegt. Es bemerkt all die kleinen Dinge, die nicht zusammenpassen, die Ungereimtheiten, die sich eingeschlichen haben, und die optischen Täuschungen, denen es erlegen ist. Es bemerkt Schriften, die spiegelverkehrt sind, und Gegenstände, die nicht dorthin zu gehören scheinen: ein Diamant zwischen einem Haufen von Medikamenten, ein schrumpeliger Luftballon, der sich zwischen noch schrumpeligere Früchte mischt, oder eine Gruppierung von Esswaren, die sich als Plastikspielzeuge für Hunde erweisen. Bühlers fotorealistischer Malduktus, die hellen Farben und das warme Licht entpuppen sich als malerische Camouflage, welche die Dinge tarnt. Haarscharfe Texturen erweisen sich in nächster Nähe als schwammige Muster. Texturen sind glatter und weicher, als sie sein sollten. Im Detail verschwimmt der akribische Hypernaturalismus mit freier Interpretation. Die Farbe ist eigentlich Tarnfarbe - eine Tarnfarbe allerdings, die ihre Objekte nicht verschwinden lässt, indem sie diese nachträglich übermalt, sondern indem sie diese überhaupt erst malerisch herstellt.

Bis: 28.07.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Florian Bühler [20.05.17-28.07.17]
Institutionen Katz Contemporary [Zürich/Schweiz]
Autor/in Philipp Spillmann
Künstler/in Florian Bühler
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