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7/8.2017




Aarau : Kevin Aeschbacher


von: Aoife Rosenmeyer

  
links: Kevin Aeschbacher · Ausstellungsansicht ­Caravan 2/2017, Aargauer Kunsthaus, Aarau. Foto: René Rötheli
rechts: Kevin Aeschbacher · Pantankalalalalanka, 2016, Öl und Acryl auf Baumwolle, 175x115 cm


Das Ausstellungsformat Caravan findet sich eingebettet in der aktuellen Hängung der Sammlung des Aargauer Kunsthauses zwischen Johann Füssli und Cuno Amiet. Früher realisierte Aeschbacher (*1988, Zürich) begehbare Installationen seiner Bilder, aber die aktuelle Werkvorstellung wirkt bescheiden und eher klassisch. Vielleicht weil sich Aeschbacher mit der Serie ‹The Response to Light of Various Parts (1-5)›, 2017, als Landschaftsmaler gibt: Die fünf Leinwände nutzen ein Inventar von Hecken, Steinen, Wasser, Bäumen und Zäunen als Motiv, die alle mit einer Vorstellung von Aussenraum und Natur zu tun haben. Die Malerei nutzt die Sprache und Ästhetik von digitalen Renderings, Game Design und Computer-Interfaces. Diese verschiedenen Bereiche werden von eigenartigen und uns jetzt bekannten Angewohnheiten wie übertriebener Schattierung und Perspektive geprägt, um dem Eindruck eine erfundene räumliche Tiefe zu geben, sowie von einer faden, pastellgrauen Farbpalette und fehlenden Horizonten. Das heisst, dass jede Arbeit ein Sujet hat, das so tut, als ob es etwas anders wäre; ein virtuelles Sujet, das so tut, als ob es echt wäre. Nichtsdestotrotz beziehen sich Aeschbachers Sujets auf das reale Leben. Er verleiht ihnen eine Fremdartigkeit, indem er sie digital bearbeitet, bevor er sie mit Öl und Acryl in hochstilisierter Weise auf Leinwand überträgt. Während es absurd wäre, das Ganze als eine Fälschung zu bezeichnen - schliesslich ist figurative Malerei eine Imitation -, bringt Aeschbacher sein Publikum immer wieder zum Schluss, dass die soliden Formen auf seinen Leinwänden virtuell sind und, als Folge davon, auch labil. Auf einem Bild schweben vier Augen mit Augäpfeln wie Spiegeleier über dem Bildgrund; sie stieren uns an, als ob sie vorübergehend erstarrt seien. Sie könnten verrutschen. Eigentlich besitzt Aeschbachers Landschaftsmalerei so viel Wahrhaftigkeit wie viele der historischen ländlichen Abbilder, die für das Genre massgeblich sind. Vielleicht noch mehr. Durch die Bilder, die eine Art Realität, nicht eine Idealvorstellung verkörpern, stellt er die Frage: Ist das die Realität, die wir als unsere Umgebung und unsere Landschaft haben wollen?

Bis: 06.08.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Kevin Aeschbacher [07.05.17-06.08.17]
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Aoife Rosenmeyer
Künstler/in Kevin Aeschbacher
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