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7/8.2017




Basel : unREAL


von: Sonja Gasser

  
links: Ralf Baecker · Mirage, 2014. Foto: Ralf Baecker
rechts: Zahra Poonawala · The Fool's Ballad, 2016. Foto: Zahra Poonawala


Algorithmen durchdringen den Alltag, und doch verbirgt sich ihre Präsenz oft irgendwo im Hintergrund - etwa zur Ausgabe nutzerspezifischer Suchresultate. Als ab­strakte Konzepte sind diese mathematischen Konstrukte schwer greifbar, und dennoch gibt es Möglichkeiten, ihre Wirkungsweise in materieller Form sichtbar werden zu lassen. Das Haus der elektronischen Künste vereinigt in der internationalen Gruppenausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Chronus Art Center in Schanghai entstanden ist, ästhetisch ansprechende Installationen, die auch als experimentelle Versuchsanordnungen verstanden werden können.
Zahra Poonawalas Lautsprecher verfolgt hartnäckig den sich im Raum bewegenden Besucher, beschallt ihn mit einer Singstimme, die in eine Beschimpfung umschlägt, sobald man sich diesem immobilen Roboter zu sehr nähert. Die elementarsten Bestandteile ausrangierter Hardware wie Festplatten, Scanner oder DVD-Player werden bei Daniel Canogar im wahrsten Sinne des Wortes zu Projektionsflächen. Spielerische Lichtinszenierungen hauchen diesen Wunderdingen der Technik wieder Leben ein in Referenz auf deren ursprüngliche Funktionalität. Tanzende Buchstaben auf arrangierten Tastaturtasten oder wild gewordene Super-Mario-Männchen, die in einer Art ausuferndem Computerspiel über das Gameboy-Display hinaus die ganze Ablagefläche bevölkern, schaffen ein Narrativ.
Diesen und den weiteren gezeigten Arbeiten ist gemein, dass sie Vorhandenes auf unkonven­tionelle Weise deutlich machen und verblüffende Effekte hervorrufen. Rätselhaftes wechselt sich ab mit technischer Logik, deren Komponenten teilweise bewusst sicht- und dadurch nachvollziehbar gehalten sind. Ralf Baecker misst die Veränderungen im Magnetfeld der Erde, überträgt diese auf einen flexiblen Spiegel, den ein Laserstrahl streift und dadurch ein vielschichtiges, sich ständig veränderndes Muster an die Wand wirft. Zu denken gibt der Fakt, dass sich aus der DNA, die beispielsweise an weggeworfenen Zigarettenstummeln oder Kaugummis haftet, Merkmale herauslesen lassen, mittels derer Heather Dewey-Hagborg Gesichter rekonstruiert und vierfarbig auf einem 3D-Drucker ausgibt. Fito Segrera dagegen lässt die limitierte Leistungsfähigkeit von Bilderkennungsalgorithmen offensichtlich werden. Die Ausstellung zeigt vielgestaltige Ausdrucksformen digitaler Prozesse, die sich in Bild, Ton und auch Bewegung manifestieren können, ebenso auf wie deren Grenzen.

Bis: 20.08.2017


Happy Sunday (freier Eintritt), 6.8.; Bits and Bites, Ausstellungsrundgang, 10.8., 14-17 Uhr (Anmeldung: vermittlung@hek.ch)



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen unREAL. Die algorithmische Gegenwart [08.06.17-20.08.17]
Institutionen HeK Haus der elektronischen Künste Basel [Basel/Münchenstein/Schweiz]
Autor/in Sonja Gasser
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