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7/8.2017




Basel : Hortus Botanicus


von: Iris Kretzschmar

  
links: Franziska Furter · Monstera, 2012, Metall, PVC, Leim, Nylonfäden, Courtesy Galerie Lullin + Ferrari, Zürich. Foto: Viktor Kolibàl
rechts: Andriu Deplazes · Ohne Titel, 2016, Öl auf Leinwand, 170x120 cm. Foto: Andriu Deplazes


Die Inspirationsquelle Natur versiegt auch im 21. Jh. nicht - als bewährte Metapher für Paradiesisches und Abgründiges prägt sie die Kunst bis heute. Ein ganz spezieller Garten gedeiht zurzeit im Art Forum der Helvetia Versicherung: der Hortus Botanicus. Neben Gewächshausimpressionen von Helmut Mahrer (1934-1995) und poetischen Gartenbildern von Annelies Strba (*1947) wuchert vor Ort viel Düsteres. Eine grosse, schwarze Pflanze dominiert die modernistische Architektur des Foyers. Raumgreifend breitet sie ihre riesenhaften Blätter aus und windet sich an einer Säule empor. Nur noch entfernt erinnert diese ‹Monstera› an den beliebten Philodendron, der als Zierpflanze bürgerliche Wohnzimmer begrünt und zum harmlosen Inventar einer «Schöner-Wohnen-Idylle» geworden ist. Franziska Furter (*1972) verwandelt dieses Gewächs in etwas Bedrohliches, legt seine invasiven Kräfte frei und lässt das Blattwerk wie die Schwingen eines flatternden Vogelschwarms wirken. Hitchcock lässt grüssen! Unheimlich auch die Fotografien von Marianne Engel (*1972). Auf ihren nächtlichen Streifzügen findet sie Motive, die von blossem Auge kaum erkennbar sind. Im Mondlicht oder beleuchtet von einer Taschenlampe, beginnen die unauffälligen Gewächse zu phosphoreszieren, als würde ein inneres Licht nach aussen dringen. In geheimnisvollem Türkis oder intensivem Gelb leuchten Pilze und Carnivoren auf und offenbaren sich als mysteriöse Wesen der Nacht. Eine apokalyptische Vision beschwört der neue Kunstpreisträger Andriu Deplazes (*1993), Absolvent der ZHdK, herauf. Er malt eine Pflanze als letzte Überlebende in einer wüsten Einöde. Umgeben von rotglühendem Auswurf und Feuerregen, erhebt sie sich kraftvoll aus dem kargen Boden zum schwarzen Himmel. Ist hier Hoffnung oder Endzeit angesagt? Fast nüchtern kommen dagegen die Zeichnungen aus dem Gewächshaus und Botanischen Garten von Tobias Nussbauer (*1989) daher. Doch nur scheinbar dokumentiert er die sichtbare Wirklichkeit mit Bleistift und Tinte. Als Verwirrspiel angelegt erscheinen Spiegelung, Licht, Raum und Pflanzen in fein austarierten Valeurs und kombinierten Perspektiven. Hier wird Realität zur Fiktion und Irreales zur Tatsache.

Bis: 24.08.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Hortus Botanicus [27.04.17-24.08.17]
Institutionen Helvetia Art Foyer [Basel/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
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