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7/8.2017




Bregenz : Adrián Villar Rojas


von: Kristin Schmidt

  
links: Adrián Villar Rojas · The Theater of Disappearance, 2017, Ausstellungsansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz, Courtesy Marian Goodman Gallery, New York und kurimanzutto, Mexiko-Stadt. Foto: Jörg Baumann
rechts: Adrián Villar Rojas · The Theater of Disappearance, 2017, Ausstellungsansicht 3. OG, Kunsthaus Bregenz, Courtesy Marian Goodman Gallery, New York und kurimanzutto, Mexiko-Stadt. Foto: Jörg Baumann


Das Kunsthaus Bregenz ist so bekannt für seine raumfüllenden Inszenierungen zeitgenössischer Kunst wie Adrián Villar Rojas für seine riesigen ortsspezifischen Plastiken. Eine Ausstellung des Argentiniers im Kunsthaus Bregenz lässt also Grosses erwarten, zumindest was die Dimensionen betrifft. Tatsächlich wurde für ‹The Theater of Disappearance› erheblicher materieller Aufwand betrieben. Im Erdgeschoss wurde der geschliffene Terrazzoboden vollständig bedeckt mit einer eigens angefertigten Reproduktion von Piero della Francescas ‹Madonna del Parto›. Wird sie einfach nur mit Füssen getreten oder ist die Distanz zum Irdischen aufgelöst?
Rojas versucht seine eigenen Arbeiten trotz ­ihrer Grösse in eine begreifliche Nähe zu bringen. So hat er auch die raumhohen Türöffnungen im Zumthor-Bau sämtlich verkleinert. Die neue Enge entspricht den Höhleninstallationen im den nächsten beiden Stockwerken. Im ersten wird eine urzeitliche Höhle imitiert: mit ammonitendurchsetzten Marmorböden, mit grob aus dem Stein gehauenen Trögen und Wannen, mit Wandmalereien aus Russ und mit verschlungenen künstlichen Pflanzen.
Im zweiten Obergeschoss befindet sich die Höhle der Macht: mit einer lodernden Feuerleiste in nahezu völliger Düsternis, schwerem Kamingitter, Glastisch, pompösem Marmorboden und -sesseln. Die hier präsentierte Kopie von Picassos ‹Guernica› ist die passend unpassende Prestigestaffage in dieser Inszenierung. Im Obergeschoss weicht das Festungsambiente abrupt gleissender Helligkeit. Zum dritten Mal greift Villar Rojas auf ein grosses Werk der Kunstgeschichte zurück. Auf einem Sockel, zu dem vier lange Rampen hinaufführen, platziert er ein marmornes Fragment des ‹David› von Michelangelo - nur die Beine der Kolossalstatue sind noch vorhanden.
Stand die Reproduktion der ‹Madonna del Parto› für radikale Annäherung und diejenige von ‹Guernica› für radikale Aneignung, so ist es nun ein Abschied von den Idealen. ‹Davids› Torso ist mithilfe von Computertechnik aus dem Stein gefräst, er steht inmitten eines neutral weissen Kunststoffbodens, zu Füssen des Giganten tummeln sich spielende Katzenkinder. Im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit ist die Grösse der Renaissance nur noch eine Frage von Metern und Massen. Adrián Villar Rojas arbeitet dies anschaulich heraus, unterliegt aber mit seiner eigenen Arbeit ebenfalls der Lust am materiell Überbordenden

Bis: 27.08.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Adrian Villár Rojas [12.05.17-27.08.17]
Institutionen Kunsthaus Bregenz [Bregenz/Österreich]
Autor/in Kristin Schmidt
Künstler/in Adrian Villár Rojas
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