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7/8.2017




Chur : Hans Danuser


von: Céline Gaillard

  
links: Hans Danuser · Caplutta Sogn Benedetg Sumvitg, 1988, (Kapelle St. Benedikt, erbaut von Peter Zumthor), Fotografie, 6-teilig, je 50x40 cm, Courtesy Bündner Kunstmuseum Chur
rechts: Hans Danuser · The Last Analog Photograph, Teil vom Bildzyklus Landschaft in Bewegung/Moving Desert, 2007-2017


Am Ausgangspunkt von Hans Danusers (*1953) fotografischem Werk steht ‹In Vivo›, 1980-1989, ein Zyklus aus sieben Bildserien und insgesamt 93 Schwarz-Weiss-Fotografien. In chemischen und gentechnischen Laboratorien, Kühltürmen oder der medizinischen Pathologie aufgenommen, zeigen sie gewöhnlich nicht zugängliche, aber aufs menschliche Leben Einfluss übende Bereiche. Es handelt sich um das erste Grossprojekt des zu den Wegbereitern der zeitgenössischen Fotografie zählenden Künstlers, dem viele grössere Werkgruppen folgten. Die Einzelausstellung ‹Dunkelkammern der Fotografie› im Bündner Kunstmuseum erhebt den Anspruch auf eine erstmalige, umfassende Überblicksschau des rund 40 Jahre umspannenden fotografischen Werks. So sind neben allen Serien von ‹In Vivo› auch andere frühe, sequenzielle Arbeiten wie ‹Strangled Body›, 1995, oder das ‹Zumthor Project›, 1988-1999, vereint. Mit Letzterem beeinflusste Danuser - u.a. durch subjektiv wahrnehmbare Nahansichten und Perspektiven - die Architekturfotografie, die damals weitgehend den Konventionen der Zentral­perspektive verschrieben war.
Mit seinen Matografien (ausgestellt ist die Serie ‹Delta›, 1996) entwickelte Danuser ein neues Farb-Foto-Verfahren mit Ölfarbe unter Silbergelatine. Für seine technischen Experimente spielt er mit den Möglichkeiten der analogen Fotografie. Mit einem fotografischen Forscherinteresse am Material und in der Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen und medizinischen Themen entstanden auch ‹Frozen Embryo Series›, 1997-2000, oder die Bodeninstallation ‹Erosion›, 2000-2006, mit Aufnahmen von sich verschiebenden Landschaften - Werke von stupender Perfektion und beinahe plastischer Qualität.
Erstmals ist das Projekt ‹Landschaft in Bewegung/The Last Analog Photograph›, 2007-2017, zu sehen, das den Abschluss des Zyklus ‹Erosion› bildet. Die Bilder aus der Wüste Gobi bieten keinerlei Fixierung mehr und machen die Spannung von Fläche und Tiefe vollends evident. Danuser ermöglicht mit bildfüllender Nahansicht, Fragmentierung und unterschiedlichen Blickwinkeln in vielen Werkgruppen eine von ikonografischer Deutung freie Annäherung an das Motiv. In den Fokus rücken die mate­riellen Eigenschaften spezifischer Oberflächen und Körpertexturen. Damit verbunden sind der künstlerische Anspruch der Allgemeingültigkeit des Sujets sowie stets auch gesellschaftliche und globale Entwicklungen.

Bis: 20.08.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Hans Danuser [03.06.17-20.08.17]
Video Video
Institutionen Bündner Kunstmuseum [Chur/Schweiz]
Autor/in Céline Gaillard
Künstler/in Hans Danuser
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