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7/8.2017




Genève : Martin Disler


von: Katharina Holderegger Rossier

  
Martin Disler · Des coups au coeur, Ausstellungsansichten Cabinet d'arts graphiques, 2017. Foto: Christian Rümelin


Das Cabinet d'arts graphiques führt uns zurzeit Martin Dislers Blick auf das ­Leben vor Augen, das dieser 1996 im Alter von 45 Jahren bei einem Gehirnschlag verloren hat. Schmerzempfindungen und Todesahnungen durchzogen sein Werk von Anfang an, denen jedoch in den kraftvollen, ausholenden Gesten und den oft unvermittelt zwischen den Lineamenten hervorbrechenden Farben immer ein nicht weniger unbändiges Begehren nach Leben und Licht antwortete.
Die Ausstellung im CdAG lässt in ihrem Eingangsraum jedoch mit Blättern von Miriam Cahn (CH) und Marlene Dumas (SA), Baselitz, Immendorf und Lüpertz (D) sowie Chia und Paladino (I) erst einmal das um 1980 erneuerte Interesse an einer expressiven und figürlichen Kunst erahnen, in das sich Disler einschrieb, obschon er Autodidakt war. Hatten Avantgardismen von der Pop Art bis zur Konzeptkunst Malerei und Zeichnung für obsolet erklärt, läutete diese Kehrtwendung nicht nur eine neue Blütezeit dieser Medien ein. Sie führte auch zu einer Wiederbelebung der traditionellen Druckgrafik. Disler war auf diesem Gebiet zwar nicht gleich der rührigste Künstler unter den «Neuen Wilden», sollte sich jedoch, wie die Ausstellung vorführt, in seinen letzten Schaffensjahren zum vielleicht verblüffendsten Druckgrafiker des ausgehenden 20. Jahrhunderts entwickeln.
Die vom zweiten Raum an exklusiv aus den reichen Gaben an das CdAG von Martin Disler bzw. seiner Witwe Irene Grundel 2001/02 genährte Schau zeichnet mit Editionen aus den Achtzigerjahren nach, wie der Künstler in der Tat erst durch Verleger wie Adolph Stäbli und Peter Blum langsam auf den Geschmack der Druckgrafik kam. Das Hauptgewicht der Ausstellung liegt jedoch auf der Explosion von Kreativität in diesem Medium, die nicht zuletzt der Rückblick 1989 im CdAG anlässlich des von R.M. Mason herausgegebenen Werkkatalogs seiner Druckgrafik in ihm auslöste.
Statt sich vor allem mit der Produktion eines Objekts zu beschäftigen, begann er derart mit dem Werkprozess zu experimentieren, dass oft nur Serien von Monotypien herauskamen, die er darüber hinaus, was die Fachleute Rümelin und Guignard für wahrscheinlich einzigartig halten, manchmal hochgradig überzeichnete und übermalte, auf der Matrize der früheren Bildfindungen schon die späteren entwerfend. Disler ging zum Teil so weit, selbst die Druckstöcke zu nur mehr schwer kategorisierbaren Gemäldeskulpturen umzuarbeiten

Bis: 30.07.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
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