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7/8.2017




Olten : Voyage, voyage!


von: Iris Kretzschmar

  
links: Lena Maria Thüring · Hanjin Palermo, 2015, HD-Videoinstallation, Zweikanal, Farbe Ton, 15' 3''
rechts: Gilles Fontolliet · Faso chaussures (­Schuhe Ouagadougou), 2015, Print, Holztablare, 6 Sportschuhe aus Pneus, gefärbtem Kuh- und Kunstleder, Grössen 45,5/46


Nachdenken über das Reisen lohnt sich, berührt es doch die Lebenseinstellung einer Gesellschaft, die sich zunehmend durch Mobilität und das Nomadische auszeichnet. Unterwegssein in einer globalisierten Welt, Reflexion des Fremden, digitales Flanieren oder imaginäre Kopfreisen sind das Thema der Sommerausstellung im Kunstmuseum Olten. Benannt nach dem musikalischen Hit der französischen Band Desireless ‹Voyage, voyage!› werden Werke aus der Sammlung in Dialog mit Positionen zeitgenössischer Kunstschaffender gestellt. Ganze Rauminstallationen setzen Schwerpunkte, Reisen als performative Arbeiten rücken in den Vordergrund.
Zwischen religiösem Ritual und künstlerischem Konzept versteht sich die Pilgertour der Performancekünstlerin Marinka Limat. Versehen mit einem Pilgermantel läuft sie momentan 2500 km zu Fuss von Athen nach Kassel, lässt sich die Stationen in einem Pilgerpass bestätigen und bittet um Segnungen im Namen der Kunst - alles live erlebbar in Olten.
Auch Lena Maria Thüring war mehrere Monate auf einem Frachter mit einer philippinischen Crew unterwegs. Ihre Videoinstallation ‹Hanjin Palermo› gibt Einblick in ein geschlossenes soziales System auf Containerschiffen und zeigt, wie deren Arbeitsbedingungen den wirtschaftlichen Schwankungen und dem Kampf um Marktpreise unterliegen. Neben dieser gesellschaftspolitischen Untersuchung fokussiert David Zehnder mit ‹Erfans Notebook› auf ein individuelles Schicksal. Der junge Syrien­flüchtling Erfan wartete in einem türkischen Gefängnis auf die Weiterreise. Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, brachte er sich die englische Sprache bei. Die in einer kindlichen Schrift verfassten englischen Sätze zeugen auf berührende Weise von seiner existenziellen Ausnahmesituation.
Der Künstler, Sammler und Reisende Dadi Wirz bespielt einen ganzen Raum mit Arbeiten, die geprägt sind durch eine Biografie des Unterwegsseins. Visuellen Niederschlag finden die Südseekulturen, die er als Kind mit seinem Vater, dem Ethnologen Paul Wirz, später mit seiner Partnerin, der Künstlerin Krassimira Drenska, bereiste. Stahlprofile als ‹Weltreisestäbe› verweisen auf Reiserouten, Silhouetten von Inseln treten wie in einer Ahnengalerie auf und ein ganzes Archiv von Objets trouvés, Memorabilia und Assemblagen erzählt Geschichten vom Reichtum faszinierender Kunst- und Wunderkammern einer fremden Welt.

Bis: 20.08.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Voyage, voyage! Über das Reisen in der Kunst [10.06.17-20.08.17]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
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