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7/8.2017




Rapperswil : Out of the Blue


von: Nicola Schröder

  
links: Georg Aerni · Reveque I, aus: El jardín de los ciclopes, 2012 (El Ejido östlich der Stadt Almería in Andalusien), Courtesy Galerie Bob Gysin, Zürich
rechts: Edy Brunner vor seiner Zeitraffer-Installation, Apollo 11, 1969. 23'688 Farbfotos von der Live-Übertragung der Mondlandung 21.7.1969. Foto: Peter Röllin


Anlässlich der Feier seines 25-jährigen Bestehens richtet der Rapperswiler Kultur- und Kunstverein IG Halle im Kunst(Zeug)Haus mit 16 Kunstschaffenden eine Ausstellung zwischen Himmel und Erde aus. Sie ist gleichzeitig die Abschiedsvorstellung von Kurator und Leiter Peter Röllin, der die sehr frei gruppierte Ausstellung um das Idiom ‹Out of the Blue› (Aus heiterem Himmel) gestaltet hat. Entstanden ist eine Schau zwischen melancholischem Memento Mori und sanfter Ironie.
Die Redewendung für unvorhergesehene Ereignisse impliziert ja bereits das Dazwischen - die Zeit zwischen dem heiteren Moment und der ungewissen Zeit nach dem unerwartet Eingetretenen. Eines der eingängigen Beispiele dafür ist eine Arbeit von Naomi Leshem. Die aus Tel Aviv stammende Künstlerin fotografierte für die Serie ‹Runways› gerade mal volljährige Frauen vor Beginn ihres Militärdienstes auf den diversen militärischen Flugfeldern Israels. Daneben hängt eine Arbeit aus ihrer Serie ‹Way to beyond›, das den Absturzort einer Militärmaschine auf dem jetzt friedlich daliegenden See Genezareth zeigt. Aus «heiterem» Himmel krachten 9/11 auch die beiden Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center. Ein Foto von Ferit Kuyas vom Ground Zero vor Beginn der Neuerstellung des Centers bringt die beklemmende Wirklichkeit wieder vor Augen, ohne dafür das Ereignis selbst zeigen zu müssen. Das detailgenaue Bild Kuyas steht wie die ‹Runways›-Serie auch für eine Transit-Situation, die nicht nur den aktuellen Moment, sondern auch die Zeit davor und danach umschliesst. In das, was sich zwischen Himmel und Erde ereignet, spielt auch immer die vielschichtige Bedeutung des Himmels als Symbol für Freiheit, eine höhere Macht, Erlösung oder das menschliche Streben, über sich hinauszuwachsen, hinein. Hier knüpfen verschiedene Positionen an. Eine Denkrichtung schlägt Röllin mit einem von ihm aufgestellten leeren Koranpult vor, unter dem provokativ eine Blutlache prangt. Eine weitere mit der Schweizer Pop-Art-Ikone Apollo 11 von Edy Brunner. Die riesige Installation aus 23'688 Einzelbildern hält mit der Mondlandung das Fortschrittssymbol der Sechzigerjahre fest. Gebremst wird dagegen jegliches Himmelsstreben der Modellhelikopter, die Roman Signer in einem Christbaumnetz gefangen hat. Trotz der ­offensichtlich vorhandenen Schwere einiger Werke vermittelt die Zusammenstellung also nicht vorrangig Weltschmerz, sondern ebenso eine Heiterkeit, die nicht lediglich weg­lächelt.

Bis: 30.07.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Out of the Blue [21.05.17-30.07.17]
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Institutionen IG Halle im Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
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