Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
7/8.2017




Solothurn : Nancy Wälti


von: Adrian Dürrwang

  
links: Nancy Wälti · Knäuel, 2014, Tisch, Fleischwolf, Ton, 93,5x90x82 cm
rechts: Nancy Wälti · absorbent, 2010, Reinigungsschwämme, 468-teilig, 81xØ120 cm


Die weisse Frontwand des kleinen Saals im Parterre des Kunstmuseums wird von alten hölzernen Setzkästen, die aus den vier Ecken zur Mitte streben, langsam eingenommen. Die kleinen Kompartimente der Kästen in der Arbeit ‹versetzt› von Nancy Wälti (*1977) bilden gleichsam ein grobes Mosaik, das die Freifläche kontrastiert. Die doppelbödige Präsentation und die hintersinnige Kombination von Alltagsgegenständen sind eine Konstante in der Arbeit der Solothurnerin. Die unregelmäs­sig begrenzte Freifläche wird hier zum Reflexionsraum, der sich öffnet. Assoziationen kommen auf, wie in der Arbeit mit dem ironischen Titel ‹absorbent› aus 478 Reinigungsschwämmen, die einen runden Ziehbrunnen nachahmt, der logischerweise und im übertragenen Sinne auf ewig trocken bleibt.
Auf die Ausbildung der Künstlerin als Bildhauerin verweisen nicht nur fünf brutal abgearbeitete Klüpfel, wichtige Schlagwerkzeuge der Steinbearbeitung, von denen nur noch Reste geblieben sind, die an abgegessene Äpfel erinnern. Vielmehr hat Wälti ein feines Gespür für durchaus surreale Inszenierungen von Materialität im Rahmen einer präzise gewählten Bildsprache: Die Betrachtenden erwartet ein auf einem Küchentisch montierter Fleischwolf, aus dem längst erstarrter Ton als das titelgebende ‹Knäuel› quillt. In einem anderen Raum versucht in der Arbeit ‹Leck› eine einsame kleine Kehrichtschaufel scheinbar aus der Wand sprudelnden Gips zu stoppen. Die oberflächliche Harmlosigkeit vermittelt oft ein latentes Gefühl des Unwohlseins. Die Abformungen und Verformungen von Gegenständen verweisen auf einen tieferen Kern. So grub die Künstlerin im Werk ‹Wunschklotz›, das eine Referenz auf die wundertätige Nische in der Solothurner Verena­schlucht darstellt, ihre Faust in den weichen Ton. Sie ironisiert den Ort einer mystischen Hoffnung. In der Serie von linearen Tuschzeichnungen ‹Residenz› zeigt sie Blicke auf die Stirnseite verschiedener Särge und thematisiert trocken unsere Endlichkeit. Wälti schafft es in ihrer ersten Museumsausstellung überzeugend, formale und logische Zusammenhänge «verquer» - so auch der Titel der Schau - aufzubrechen und durch Rekombinationen neue Bedeutung zu erzeugen. Sie hat zudem eine Auswahl aus der Museumssammlung getroffen, die in zwei weiteren Räumen gezeigt wird und ihre Vorliebe für Skulpturen erkennen lässt.

Bis: 13.08.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Nancy Wälti [13.05.17-13.08.17]
Institutionen Kunstmuseum Solothurn [Solothurn/Schweiz]
Autor/in Adrian Dürrwang
Künstler/in Nancy Wälti
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170711092811FA7-39
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.