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7/8.2017




Uri : Ian Anüll


von: Jana Bruggmann


links: Ian Anüll in seinem Piaggio APE 50. Foto: Peter Baracchi
rechts: Ian Anüll · Weisse Malerei mit Wodka. Association pour le patrimoine industriel (API), Genève. Foto: Guillaume Collignon


«Sammler? Ein harmloser Besessener, der seine Zeit damit verbringt, Briefmarken einzusortieren, Schmetterlinge auf Nadeln zu spiessen oder sich an erotischen Drucken zu delektieren? Oder im Gegenteil ein schlauer Spekulant, der Liebe zur Kunst vorgibt, um zu niedrigen Preisen Meisterwerke zu erstehen und sie dann mit gewaltigem Profit weiterzuverkaufen?» Mit diesen Fragen leitet Krzysztof Pomian in sein Buch ‹Der Ursprung des Museums› ein und gibt damit die in der Öffentlichkeit üblichen Interpretationen des Sammelns wieder. Im Haus für Kunst Uri ist derzeit jedoch anderes zu erleben. Der renommierte Gegenwartskünstler Ian Anüll (*1948) zeigt sich hier für einmal als Künstler, Sammler und Kurator zugleich: Über achtzig Künstlerinnen und Künstler stehen auf dem Programm, darunter André Thomkins, Marcel Duchamp, Josef Felix Müller und San Keller. Denn neben seinen eigenen Kunstwerken zeigt Anüll zahlreiche, über die Jahre angehäufte Arbeiten von befreundeten Kunstschaffenden sowie eine Auswahl seiner Kollaborationen. Entstanden ist eine überraschende und komplexe Schau. Anülls Sammeltätigkeit mag dabei durchaus obses­sive Züge aufweisen, als Spekulant lässt er sich jedoch kaum bezeichnen. Seine Sammlung ist vielmehr Ausdruck seines Lebens, seiner Künstlerfreundschaften, seiner Interessen und Fragen, die auch ans Kunstsystem gerichtet sind. So stellt die kritische Befragung des ­monetären Werts von Kunst ein wiederkehrendes Thema dar.
Jede Sammlung braucht Ordnung - auch Anülls Kunstkosmos. Im Haus für Kunst Uri wird dieser weder chronologisch noch rein thematisch aufgefächert. Der analytisch-intuitive Zugang führt die Besuchenden entlang von Gedankensträngen, Analogien und Stimmungen. Während einige Wände hauptsächlich nach ästhetischen Kriterien - wie der Farbigkeit - organisiert sind, treffen sich an anderen Exponate über Raum und Zeit hinweg: Klassische Stillleben und Porträts stehen im Dialog mit archaischen Masken, indianischem Gesang und Objekten eines vagen Fruchtbarkeitskults. Anüll verweist damit auch auf den Ursprung der Kunst, der nach Bernd Roeck in der magischen Aufladung von Gegenständen, also im Fetischismus liegt.
Die Ausstellung ‹Peinture en promo› entstand in Kollaboration mit dem Musée jurassien des arts in Moutier, wo sie 2019 in neuer Form zu sehen sein wird.

Bis: 20.08.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Ian Anüll [10.06.17-20.08.17]
Video Video
Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Autor/in Jana Bruggmann
Künstler/in Ian Anüll
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