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7/8.2017




Zürich : Rinko Kawauchi


von: Mechthild Heuser

  
links: Rinko Kawauchi · Untitled, from the series Halo, 2017, Lambdaprint, Blatt 50x75 cm, Rahmen, 52,6x77,5 cm
rechts: Rinko Kawauchi · Untitled, from the series Halo, 2017, Lambdaprint, Blatt 120x180 cm, Rahmen 122,5x182,6 cm


«Geh, fürchte nichts, es kehret alles wieder. Und was geschehen soll, ist schon vollendet.» Die um 1800 geäusserten Zeilen Friedrich Hölderlins sind auch heute noch aktuell und lassen sich durchaus mit der Fotografie der Japanerin Rinko Kawauchi (*1972), wie die Galerie Christophe Guye sie in der aktuellen Ausstellung präsentiert, in Verbindung bringen.
Kawauchi bereiste drei Kontinente, um, wie sie selbst sagt, «spirituell» aufgeladenen Phänomenen und ihren urtümlichen Wurzeln mit der Kamera auf die Spur zu kommen: China, Japan, Europa. Doch ihre fein komponierte und subtil angelegte Fotografie ist so universell, dass die Verortung für den Betrachter nebensächlich bleibt. Was unmittelbar klar wird: Es geht um Elementares, um das, was unsere Erde faszinierend und lebenswert macht. Es geht um die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Licht. Eine Bilderfolge der von der Künstlerin selbst kuratierten Ausstellung zeigt das Meer bei Nacht mit seinen flüchtigen, geschickt eingefangenen Lichtreflexen in panoramatischer Weite. Bilder der Ruhe und Meditation und von zeitloser Kraft. Ewigkeit kommt einem in den Sinn, wenn man sie in Ruhe anschaut.
Neben dem Ozean, der dem ewig gleichen Rhythmus seiner Wellenbewegungen unterworfen als Schauplatz und als Akteur in einem fungiert, sucht die Fotografin auch Schauplätze auf, wo Eindringlinge eine Rolle spielen, seien es Menschen oder Tiere, und beide den jeweiligen Orten für eine kurze Dauer ihren Stempel aufdrücken.
In zwei Fällen geht es um sich seit Ewigkeiten wiederholende Rituale. Einerseits ein von Menschen kunstvoll entfachtes Feuerwerk in China, andererseits der nicht minder kunstvolle Flug der Zugvögel in England. Kreisläufe gewissermassen. Und als solche werden sie auch in dem die Fotos bereichernden Videoloop dargestellt und in unmittelbare Beziehung gebracht. Die schon in den Fotos eindrücklichen Nachtszenen, in denen Männer flüssiges Eisen an eine Stadtmauer schleudern, um Funken zu erzeugen, die in einem imposanten Lichtregen herabrieseln - eine Alternative zu unserem Silvesterfeuerwerk gewissermassen -, werden im Video dynamisch und akustisch bereichert.
Und dann die Zugvögel, die sich auf einer Wiese zu einem schwarzen Schwarm verdichten, abheben, diverse Kurven in den Himmel zeichnen und in einer eindrücklichen Choreografie die Silhouette permanent wechseln, bevor sie von dannen fliegen.

Bis: 19.08.2017



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Ausgabe 7/8  2017
Ausstellungen Rinko Kawauchi [21.04.17-19.08.17]
Institutionen Christophe Guye Galerie [Zürich/Schweiz]
Autor/in Mechthild Heuser
Künstler/in Rinko Kawauchi
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