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9.2017




Freiburg/B : Gutes Sterben - Falscher Tod


von: Yvonne Ziegler

  
links: Holger Keifel · Albert Einsteins Brain, 2005
rechts: Adrian Paci · Vajtojca, 2002, Filmstill, Courtesy Kaufmann Repetto, Milano/New York


Über den Tod selbst wissen wir im Grunde nichts. Wie er sich anfühlt, ist nicht vermittelbar. Jeder leidet und stirbt für sich. Jeden ereilt der Tod irgendwann und verursacht eine unwiderrufliche Trennung, mit der die Zurückbleibenden umgehen müssen: in stiller Trauer, gemeinschaftlichen Ritualen oder mittels der Kunst.
Mit dem Titel ‹Gutes Sterben - Falscher Tod› richtet das Museum für Neue Kunst den Fokus auf nicht-religiöse westliche Kunst, wirft Fragen nach einem würdevollen Tod und respektvollen Umgang auf und macht das Phänomen Tod und Sterben und die eigene Gestaltbarkeit des Todes durch verschiedene Medien greifbar. Dabei wurden Werke ausgeschlossen, die den Tod als Folge von Gewalt Dritter thematisieren. Zunächst sind mehrere Arbeiten zu sehen, die den Tod stofflich zu erfassen versuchen: Etwa hat Kris Martin Detailaufnahmen des Schädel-innern eines Mönchs aus dem 13. Jahrhundert vergrössert, die topografischen Bildern ähneln. Im selben Raum sind auf einer Fotografie in Leinen gehüllte, nummerierte und in Formaldehyd eingelegte Bestandteile von Einsteins Gehirn sowie ein alter Schädel zu sehen, der durch in die Augenhöhlen gelegte Bergkristalle und Silbergitter zur Preziose wird. Bereits hier wird deutlich, dass Darstellungen von Tod abstrakte, wissenschaftlich zergliedernde und religiöse Anmutungen anhaften. Einen weiteren Aspekt zeigt die Videoarbeit von Yang Zhenzhong, der Menschen verschiedener Herkunft zu sagen bat: «Ich werde sterben.» Die triviale, in ihrer Faktizität jedoch ungeheuerliche Aussage ruft nach dem Aussprechen zumeist ein Lachen hervor, mit dem das seelische Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Mit Vorsicht ist Stan Brakhages Video einer Obduktion zu geniessen, während Julia Charlotte Richters sachlicher Bericht, wie sich der Körper mit dem Eintritt des Todes verändert, etwas Beruhigendes ausstrahlt. Von einer jungen Frau gesprochen, die sich gleichzeitig um Pflanzen kümmert und die Füsse ins Wasser eines Teiches baumeln lässt, ist der immerwährende Kreislauf von Werden und Vergehen präsent, an dem der Mensch wie alle Lebewesen teilhat. Dass sich Damien Hirst als Jugendlicher mit dem irren Grinsen innerer Erschütterung mit dem Kopf eines Toten fotografieren liess, erschreckt zunächst. Doch kann die kleine Fotografie als stellvertretend für unsere zwiespältigen Gefühle angesehen werden: zwischen Faszination und Schrecken.

Bis: 24.09.2017



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Ausgabe 9  2017
Ausstellungen Gutes Sterben – Falscher Tod [27.05.17-24.09.17]
Institutionen Museum für neue Kunst Freiburg/B [Freiburg/B/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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