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Besprechung
10.2017


Michael Sutter :  Zwei Jurassier infiltrieren die Innerschweiz: Augustin Rebetez und Laurent Güdel präsentieren mit ihrer Ausstellung ‹Loud­speakers Convention› im Nidwaldner Museum ein multimediales Beschallungserlebnis, dessen Höhepunkt exklusiv am Eröffnungsabend erfahrbar war.


Stans : Augustin Rebetez & Laurent Güdel - Loudspeakers Convention


  
links: Augustin Rebetez · Colloque des Oiseaux, 2016/2017 (Detail), Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus, Ton: Augustin Rebetez, Laurent Güdel, Dimension variabel. Foto: Christian Hartmann
rechts: Laurent Güdel · Speakers, 2017, Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus. Foto: Christian Hartmann


Richtig geknallt und gescheppert hat es in der Festung Fürigen bei Stansstad glücklicherweise nie, da das Schweizer Réduit-Verteidigungsdispositiv im Zweiten Weltkrieg weitestgehend ungenutzt blieb. Wohl allzu verlockend für Augustin Rebetez (*1986, Délemont) und Laurent Güdel (*1984, Vellerat), die zusammen mit Freunden an der Vernissage das Spektakel ‹Fire in da Bunker› in der ehemaligen ­Militäranlage (heute ein Museum) veranstaltet haben. In eine kalte, feuchte und dunkle Umgebung wurde mit stroboskopartigen Neon-Installationen, Stop-­Motion-Kurzfilmen am Steinboden oder im Speisesaal sowie musikalischer Livebeschallung interveniert. Die Szenerie erinnerte an eine Mischung aus militantem ­Pseudo-Reenactment und exzessiv-experimenteller Soundperformance, die sich als kongeniale jurassische Zusammenarbeit herausstellte. Ihre Performance fügte sich integrativ in die Originalausstattung aus den Vierzigerjahren ein und erhob den Anspruch, den Besuchenden in den verwinkelten Räumen eine einmalige Klangkulisse zu bieten. Als ortsspezifische Reminiszenz bleibt die Videoarbeit ‹Loudspeakers Convention› sichtbar, in der sich zwei vermummte Kreaturen durch das labyrinthartige Stollensystem bewegen und eine Reihe absurder Ritualhandlungen vollführen.
Weitere Teile der Ausstellung finden im Stanser Winkelriedhaus und im dazugehörigen Pavillonbau statt. Auch hier spielt der Schall - verkörpert durch Geräusche, Töne und Worte - die Hauptrolle und dringt mittels der Installation ‹Colloque des Oiseaux› von Rebetez krächzend in die Ohrmuscheln. Die pragmatisch gezimmerte Holzkonstruktion aus Dachlatten und umfunktionierten Möbeln bildet die Behausung für eine Vielzahl an mechanischem Federvieh. Auf Knopfdruck werden die Rabenvögel zum Leben erweckt und veranstalten ein dissonantes Lärmkonzert, das ­eine mysteriös-poetische Botschaft zu vermitteln scheint. In Kombination mit einer in Weiss gehaltenen Installation aus windschiefen Kartonhäusern und desorientierten Menschengebilden entsteht im Pavillon ein Gesamtkunstwerk, das eine subtile Kritik an den Massenmedien vermuten lässt. Im Winkelriedhaus hat sich Laurent ­Güdel die Kapelle mit Hochaltar aus dem 16. Jahrhundert vorgeknöpft. Eine minimalistische Klangkomposition aus zwölf Lautsprechern evoziert hier nun ein immersives Raumerlebnis. Die lapidare Verbindung zwischen Historie und Gegenwart ergründet auf subtile Weise das assoziative Verhältnis von Raum und Zeit.

Bis: 15.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Laurent Güdel, Augustin Rebetez [10.06.17-15.10.17]
Video Video
Institutionen Winkelriedhaus/Pavillon [Stans/Schweiz]
Autor/in Michael Sutter
Künstler/in Augustin Rebetez
Künstler/in Laurent Güdel
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