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Besprechung
10.2017


Dominique von Burg :  Betörende bis trashige Schmuckstücke werfen ein Licht auf das urmenschliche Bedürfnis, sich zu schmücken, und die damit verbundenen Veränderungen im Lauf historischer, sozialer und technologischer Veränderungen. Seit der Moderne spiegelt Schmuck vornehmlich individuelle Weltvorstellungen.


Zürich : Schmuck, Material, Handwerk, Kunst


  
Tobias Rehberger · Yes, No, Maybe, 2017, Ringe aus Gold, Silber, Bronze und Farbe, Courtesy Gems and Ladders. Foto: Nicolas Duc


Eine vierreihige Perlenkette, drapiert über eine ausladende Muschel, lockt die Besucherin an; nicht minder ein anderes pompöses Stück aus rohen Rosenquarzbrocken oder prunkvollen Korallen. Dazwischen thronen Prachtexemplare aus Bergkristall, Turmalin, Achat oder Amethyst. Die Schau geht dem Schmuckbedürfnis des Menschen nach und zeigt, wie vielfältig Schmuck verwendet wird: für kultische Zwecke, zur Repräsentation, als Zeichen von Macht, als Statussymbol, Erinnerungsstück oder Zierde. Ausgehend von archäologischen Exponaten führt der Parcours bis in die Gegenwart und beleuchtet neben dem handwerklichen Aspekt eine Vielfalt von Materialien. Der Fokus liegt auf den Goldschmieden des 20. Jahrhunderts. Den Auftakt bilden Vertreter von Jugendstil und Art déco wie Josef Hoffmann oder René Lalique, der an der Pariser Weltausstellung von 1900 wegweisende Schmuckstücke präsentierte. Wir begegnen auch Schweizer Pionierinnen wie der ersten Schmuckgestalterin Europas, Marie Bedot-Diodati, die damals ihren eigenen innovativen Stil entwickelte. Jüngere Exponate führen bis in die Gegenwart, bspw. zu Hans Stofer (*1957) oder Bernhard Schobinger (*1946). Diese verfolgen einen individuellen künstlerischen Ansatz und fühlen sich keinem Form- oder Materialkanon mehr verpflichtet.
Auch der mit Fell beklebte Armreif der Schweizer Surrealistin Meret Oppenheim wird in der Ausstellung gezeigt. Das legendäre Stück wurde als Edition in der 2014 von Thomas W. Bechtler und Alexandre Pertot gegründeten Kollektion ‹Gems and Ladders› neu aufgelegt. Die Kollektion basiert «auf der Kombination von künstlerischer Kreativität mit handwerklichem Geschick» und belebt die lange Tradition von Künstlerschmuck. Regelmässig werden zeitgenössische Kunstschaffende eingeladen, Stücke zu entwerfen. Aktuell hat der mit dem Goldenen Löwen der Biennale Venedig 2009 ausgezeichnete Tobias Rehberger (*1966) drei Ringe mit dem Titel ‹Yes›, ‹No›, ‹Maybe› entworfen. Der deutsche Bildhauer überzog klassische Ringfassungen aus Gold, Silber und Bronze mit einer knallbunten, plastikartigen Farbschicht. Die darunterliegenden Edelmetalle und die auf der Innenseite eingravierten Worte Yes, No und Maybe kommen erst durch das Tragen und die Abnutzung zum Vorschein. Damit thematisierte Rehberger den unsichtbaren Wert eines Schmuckstücks, der von den Wertvorstellungen des Trägers abhängig ist.

Bis: 22.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Autor/in Dominique von Burg
Link https://www.gemsandladders.com
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