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Besprechung
10.2017


Sarah Merten :  Nach einer mehrmonatigen Schaffenszäsur präsentiert Chris­tian Vetter in seiner aktuellen Schau neue Malereien, die im ­Gewand prototypischer Abstraktion von Freiheit, der Konstituierung handlungsfähiger Subjekte und vom politischen Poten­zial einer reduzierten Malerei erzählen.


Zürich : Christian Vetter - Abstrakte Malerei als politische Kunst


  
links: Christian Vetter · o.T., 2017, Öl auf Leinwand, 60x80 cm
rechts: Christian Vetter · o.T., 2017, Öl auf Leinwand, 60x80 cm


‹Subjektobjekt› betitelt Christian Vetter (*1970, Zürich) seine Ausstellung in der Galerie annex 14. Die Verschmelzung dieser konträren Positionen umfasst nicht nur eine stattliche Reihe rezeptionsästhetischer Theorien, sondern auch Vetters Anliegen, die Malerei als ein politisches Medium zu begreifen. Das ist insofern wagemutig, als Malerei einerseits nun nicht unbedingt zu den erst genannten künstlerischen Ausdrucksformen gehört, wenn es um den umkämpften Begriff «politische Kunst» geht. Und andererseits, weil Vetters neue Malereien abstrakter kaum sein könnten.
Arbeiten, die kurz nach seiner künstlerischen Ausbildung Mitte der Neunzigerjahre entstanden, seien formal gar nicht so weit von den heutigen entfernt gewesen, meint Vetter. Der Unterschied zu damals liege jedoch darin, dass er sich heute im Prozess der Bildwerdung nicht mehr als Schöpfer betrachte und nicht mehr versuche, Gemälde aus sich heraus zu generieren, sondern intuitiv auf das reagiere, wonach das Bild verlange. Der Weg hierher führte zunächst weg von der Abstraktion hin zu figurativen Darstellungen - als Widerstand gegen die empfundene Willkür seiner damals abstrakt-expressionistischen Malweise - und anschliessend in eine ­«unbunte» Phase mit vorwiegend schwarz-weisser Farbpalette sowie diversen Serien von Schriftbildern, die gegenständliche Motive ersetzten und in denen der Pinsel entlang eines Lineals geführt wurde. Seit einiger Zeit nun sind sowohl die Farben als auch der abstrakte Gestus in die Malereien Vetters zurück gekehrt. Doch im Gegensatz zu früher verwendet der Künstler heute keine Hilfsmittel mehr, sondern malt frei aus der Hand.
Die Frage nach der Freiheit ist es denn auch, worum sich diese neuen Malereien drehen: Wie frei ist der Künstler als Subjekt? Insbesondere wenn das Bild seiner Auffassung nach handlungsanleitend ist, so bleibt doch jede Bewegung, jeder Strich eine subjektive Intention, die sich im Material veräussert, wodurch sie auf der Leinwand wieder objektiviert und für andere wahrnehmbar wird. Hinter diesem Wechselspiel steckt Vetters Interesse an der Frage, wie sich der Mensch als freies, handlungsfähiges Subjekt konstituiert. Eine Frage, die er speziell in der heutigen, mitunter als «postdemokratisch» bezeichneten Zeit als höchst gefährdet erachtet - und zu deren Auseinandersetzung er das Potenzial in der ungegenständlichen Malerei erkennt.

Bis: 07.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Christian Vetter [26.08.17-07.10.17]
Institutionen annex14 [Zürich/Schweiz]
Autor/in Sarah Merten
Künstler/in Christian Vetter
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