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Besprechung
10.2017


Dominique von Burg :  Anlässlich des 10-Jahr-Jubiläums von Häusler Contemporary richtete Giovanni Carmine eine Schau mit Positionen von Künstlern aus den Sechziger- und Siebzigerjahren im Dialog mit Werken jüngerer Kunstschaffender ein. Ihre Werke kreisen um Licht, Energie, Natur, Abstraktion und Prozess.


Zürich : Dialog - A Line Between the Morning Sun and the Evening Sun


  
links: Raphael Hefti, Gary Kuehn, Mary Heilmann und Renato Leotta (v.l.n.r) · Jubiläumsausstellung Häusler Contemporary Zürich. Foto: Mischa Scherrer
rechts: Mary Heilman, Haroon Mirza, Irene Kopelman (v.l.n.r.) · Jubiläumsausstellung Häusler Contemporary Zürich. Foto: Mischa Scherrer


Der Ausstellungstitel ist der Druckgrafik ‹From Coast to Coast (France), 1992. A Road Walking Journey› von Hamish Fulton entnommen. Der Amerikaner Bill Bollinger (1939-88, New York) liefert in einer minimalistischen Zeichnung die Umsetzung dazu. Das Blatt zeigt eine schlichte Strichbewegung, die den Sonnenverlauf eines Tages grafisch erfasst. Giovanni Carmine, Direktor der Kunst Halle St. Gallen, präsentiert die Werke in der von ihm kuratierten Jubiläumsschau in der Galerie Häusler Contemporary. Er wählte sechs Positionen aus dem Galerieprogramm aus, die eine Affinität zur Arbeitsweise junger Kunstschaffender aufweisen. Im Foyer der Galerie blinkt und surrt nun ein Objekt von Haroon Mirza (*1977, London), das optische Reize und elektronischen Klang synthetisiert. Flankiert wird es von Stahlstangen von Raphael Hefti (*1978, Biel), einem in Sole gelegten Baumwolltuch von Renato Leotta (*1982, Turin), von filigranen Zeichnungen von Irene Kopelman (*1974, Argentinien) und einem neonfarbenen Shaped Canvas von Mary Heilmann (*1940, San Francisco).
Selbstverständlich sind auch die von der Galerie vertretenen Künstler James Turrell und Roman Signer mit von der Partie. Den Holzstuhl von Roman Signer (*1838, Appenzell) mit einem Wind erzeugenden Vintage-Ventilator hätte man in diesem rekordheissen Sommer breit lancieren können, würde er nicht so laut rattern. James Turrell (*1943, Los Angeles) lässt uns mit einem Werk aus der ‹Hologram›-Serie in ­eine malerische Welt von geheimnisvoll glimmenden Pastelltönen eintauchen. Bereits aus der Ferne leuchtet ein Fotogramm von Raphael Hefti aus der ‹Lycopodium›-Serie in intensiven Rot-, Gelb- Orange-, Grün- und Weisstönen. Im Zuge seiner Beschäftigung mit der Geschichte des künstlichen Lichts in der Fotografie hantierte er in den vergangenen Jahren mit hochentzündlichen Lycopodium-Sporen, die dank ihrer Leuchtkraft Fotopapier belichten können und so auf grossformatigen Blättern seltsame Spuren - informelle, farbenprächtige Formgesten - hinterlassen. Heftis ästhetische Sprache, die tief in wissenschaftlichen und alchemistischen Prozessen wurzelt und sich in den Werken manifestiert, korrespondiert mit dem neblig weichen Schwarz-Weiss-Bild von Renato Leotta, der Fotopapier nachts unter freiem Himmel in Wasser taucht und es vom Schein des Mondes belichten lässt.
Die Ausstellung zeigt, dass die Erkenntnisse der etablierten Künstler weiterleben und dass künstlerische Prozesse oft wissenschaftlichen Verfahren ähneln und so ­einen etwas anderen Blick auf manche Dinge ermöglichen.

Bis: 28.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Jubiläumsausstellung, Kurator G. Carmine [25.08.17-28.10.17]
Institutionen Häusler Contemporary Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
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