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Besprechung
10.2017


Irene Müller :  Es sind (sub-)urbane Zonen, landschaftliche Randbezirke und verlassene Innenräume, auf die Susanne Hofer ihre Aufmerksamkeit richtet. Und obwohl die Künstlerin das Material vieler Arbeiten auf Reisen aufnimmt, kommt den konkreten Schauplätzen letztlich ein untergeordneter Stellenwert zu.


: Susanne Hofer - Different stages of beauty


  
links: Susanne Hofer · by the sea, 2017, Video HD, 10'04'', Videostill
rechts: Susanne Hofer · Dancing, 2017, Video HD, 2'15'', Videostill


Susanne Hofer praktiziert eine Art entschlackenden Blick, der eine Überdosis Lokal­kolorit, einen zu hohen Wiedererkennungsgrad der Örtlichkeiten meidet und auf unspektakuläre Situationen und visuelle Zwischenräume fokussiert. Das Spezifische dieser Seherfahrung ist dann in Video- und Fotoarbeiten sowie Installationen in Bildsequenzen transformiert, in denen das strukturell Allgemeingültige und Modellhafte hervortritt. So präsentiert sich in der Videoinstallation ‹by the sea›, 2017, die gepflegte Siedlung nicht nur als Spielfeld mittelständischer Konformität, sondern auch als menschenleere Kulissenlandschaft, die lediglich von einer kleinen, in regelmässigen Abständen langsam von links nach rechts und wieder retour wandernden Wolke «belebt» wird. Während bei filmischen Vorort-Dramen wie ‹The Stepford Wives› oder in der berühmt-berüchtigten «Wisteria Lane» aus der TV-Serie ‹Desperate House­wives› die Kamera immer nach den Abgründen hinter den Fassaden sucht, in die Behausungen eindringt und die Psychen ihrer Bewohner/innen freilegt, begegnet man hier respektvoller Distanz. Und auch wenn der vor der wandfüllenden Projek­tion verlegte Rasenteppich die Schwelle zur gefilmten Welt in den Ausstellungsraum hinein verlagert, bleibt der Abstand zu der ruhig gleitenden Situationsbeobachtung gewahrt.
Visuelle Gelassenheit kennzeichnet Hofers Bildstrategie ebenso wie pointierte Aufmerksamkeit für minimale Regungen oder «atmosphärische Sensationen» wie den Wind, der in der Monitor-Arbeit ‹Amazing›, 2014, einen ausrangierten Spiderman-Ballon in taumelnde, unheroische Bewegungen versetzt. Stets spielen sich innerhalb der Videoarbeiten Dramen im Kleinstformat ab. Die meist geräuschlosen Bildwirklichkeiten agieren als präzise konstruierte Bühnenräume für mediale Szenografien von Ab- und Anwesenheit, von Geschehen und (vermeintlicher) Ereignislosigkeit. Grosses Schauspiel bietet dann ‹Archipel›, 2013, eine Assemblage aus ausrangierten, gerade noch funktionstüchtigen Elektrogeräten, die sich im stockfinsteren Ausstellungsraum als Wesen mit zwei Gesichtern ausbreitet, als weiträumige, vernetzte Auslegeordnung und als nächtliche Skyline einer Grossstadt. Unter Zirpen und Brummen, Flimmern und Blinken performt eine Generation aussterbender Technologien ihren Schwanengesang - und darf sodann in Schönheit sterben.


Künstlergespräch am 15.10., Finissage mit Surprise am 29.10, jeweils 16 Uhr



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Susanne Hofer [03.09.17-29.10.17]
Institutionen Kunstraum Baden [Baden/Schweiz]
Autor/in Irene Müller
Künstler/in Susanne Hofer
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