Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
10.2017




Basel : Richard Serra


von: Meredith Stadler

  
Richard Serra · Pipe Prop, 1969, Blei. Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel ©ProLitteris. Foto: Gina Folly


In den dunklen Kojen riecht es nach Spanplatte und die 16-mm-Projektoren rattern: Film ab! Schwarzweiss bewegen sich die Hände des amerikanischen Bildhauers Richard Serra (*1938) im Bild. Ein Bleiblatt fangen, eine Bleirolle halten, Bleispäne zusammenwischen - die filmisch gelösten «Aufgaben» sind den Fragen verwandt, die Serra zwischen 1968 und 1979 auch in der Skulptur beschäftigen. Vielleicht ist darum die einzige plastische Arbeit in der Ausstellung - ‹Pipe Prop, 1969 - als «Stolperfalle» zwischen den Filmkojen platziert. Denn die Dialektik der Schwerkraft ist in Filmen wie ‹Hand Lead Fulcrum›, 1968, zwar durchaus formgebendes Prinzip: Der ausgestreckte Arm des Künstlers hält einen Klumpen aus zusammengerolltem Bleiband so lange, bis er nicht mehr kann. Als «skulpturalen Film» würde Serra diese Arbeit aber nicht bezeichnen - eher als Auseinandersetzung über das Verhältnis von filmischem und vorfilmischem Raum. Im Material und damit den Ausdrucksmitteln sind Lichtbild und Skulptur grundlegend verschieden. Eine jeweils eigenständige «Lösung» der gestellten Aufgaben ist somit gefordert.
Diesen filmischen Lösungen Serras widmet das Kunstmuseum Basel | Gegenwart eine eigene Schau. Die erstmals so umfassend präsentierte Werkgruppe ist dank der neu gefertigten Vorführkopien im Originalformat zu sehen. Dem filmischen Werk «eine Bühne» zu geben, ist lobenswert. Etwas ungeschickt die Formulierung: Ein Film braucht keine Bühne und kein Podest, so wenig wie die Skulpturen Serras einen Sockel. Die 16-mm-Filme auf Extra-Stellleinwände zu projizieren, wo es genug Wandfläche gäbe, ist symptomatisch für das Unbehagen im Kunstbetrieb, die Immaterialität des eigenen Gegenstandes auszuhalten. In Serras schwergewichtigem Gesamtwerk bilden aber die Filme und Videos einen spannenden Ausgangspunkt, um sich mit dem Verhältnis von Material und Immaterialität zu befassen. Anschaulich rufen die Videoarbeiten den historischen Diskurs auf, in dem Serras Kunstverständnis fusst: Von ­einem Aufbrechen formaler Konventionen in ‹Anxious Automation›, 1971, über die Konsumkritik in ‹Television Delivers People›, 1973, bis zur medialen Selbstreflexivität einer Nancy Holt in ‹Boomerang›, 1974. Eine vertiefte Betrachtung der in Basel präsentierten Werkgruppe könnte dazu beitragen, die Rahmung dieses in den Sechziger- und Siebzigerjahren geprägten Diskurses zu justieren.

Bis: 15.10.2017



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Richard Serra [20.05.17-15.10.17]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Gegenwart [Basel/Schweiz]
Autor/in Meredith Stadler
Künstler/in Richard Serra
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=170924215555AA8-28
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.