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10.2017




Brugg : Nici Jost, Camille Medardus Hagner


von: Feli Schindler

  
links: Nici Jost · Bonsai II, 2017
rechts: Camille Medardus Hagner · Monochrome ­Morphologie 4, 2014, Öl auf Leinwand


Lieben Sie Pink? Und was genau hat es mit der Farbe auf sich? Seit Gay Pride und Brustkrebsprävention Pink für sich beanspruchen, gehört die Farbe ohnehin nicht mehr nur in die Puppenwelt süsser kleiner Mädchen. Nun hat Nici Jost (*1984, Kanada) im Zimmermannhaus Brugg eine Installation geschaffen, von der Frauen und Männer gleichermassen entzückt sind. Die Künstlerin machte in Teenagerzeiten Pink zum Objekt ihrer Begierde und später zu dem ihrer Studien an der FHNW. ‹Pink Colour System› nennt sie die Recherche und illustriert auf handgeschöpftem Papier, welchen Effekt die verschiedenen Rosa-Abstufungen auf die menschliche Physis und Psyche haben. Wussten Sie also beispielsweise, dass «Bloc Pink» die Farbe war, mit denen die Nazis schwule Personen bezeichneten? Oder dass Walt Disney mit «White Pink» die Haut der Prinzessinnen kolorierte? Oder dass das sogenannte «Cell Pink» beruhigend auf Gefängnisinsassen wirkt? Der Blutdruck soll sich im Test mit Versuchspersonen beim Betreten des entsprechend kolorierten Zimmers augenblicklich gesenkt haben. Cool down mit Pink sozusagen. Der in Brugg vollständig in Rosa ausstaffierte Raum generiert, je nach Tageszeit und Lichteinfall, eine magische oder gar beklemmende Atmosphäre. Fotoserien von Bonsai-Pflanzen auf Pink, rosa Säulen und Kletterstangen, Acryltuben, aufgereiht wie Lippenstifte im Beautycorner, und eine pink eingefärbte ­Zimmerpflanze ergänzen die Gesamtinstallation. Neugier wecken vor allem Josts Aufzeichnungen performativer Geschehnisse: Von Weiss bis Pink abgestufte ‹Targets› protokollieren ihre Schiessübungen. Ein Blatt gibt Auskunft über den Tag, an dem sie den Volltreffer im knalligen Zentrum schaffte, und über den emotionalen Zustand der Schützin. «Excited» und «restless» steht da und man denkt: Wie wunderbar, wenn es um die Kunst geht, und wie fatal im Umgang mit Waffen. Camille Medardus Hagner (*1961, Zürich) hat es im Obergeschoss fast schon schwer, sich neben der Künstlerkollegin zu behaupten. Dabei zeugen die nach historischen Vorlagen ins Fantastische transferierten Szenerien von der handwerklichen Virtuosität des Wissenschaftszeichners. Wo Ufos gen Himmel fahren und Teekannen dreifach Durst löschen, wohnen wohl die Glückseligen.

Bis: 01.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Nici Jost, Camille Medardus Hagner [19.08.17-01.10.17]
Institutionen Zimmermannhaus [Brugg/Schweiz]
Autor/in Feli Schindler
Künstler/in Nici Jost
Künstler/in Camille Medardus Hagner
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