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10.2017




Friedrichshafen : Zeppelin und Kult


von: Thomas Schlup

  
links: Kult - Denkmäler, Ausstellungsansicht Zeppelin Museum 2017. Foto Markus Tretter
rechts: Candice Breitz · Stills from a King (A portrait of Michael Jackson), 2005 (Ausschnitt)


Die schwarze, flache Scheibe hat einen Durchmesser von zwölf Zoll und lässt die Lautsprecher knistern, wenn die Nadel des Tonarms sachte aufgelegt wird, bevor ‹Gute Zeiten, schlechte Zeiten› erklingt. Kult? Aber ja doch, und in mehrfacher Hinsicht. Led Zeppelin hiess die Band, die auf dem Cover ihrer ersten Vinyl-LP die vor achtzig Jahren am Ankermast des Hangars in Lakehurst explodierende LZ129 ‹Hindenburg› abgebildet hatte. Mit der interdisziplinären Wechselausstellung ‹Kult! Legenden, Stars und Bildikonen› erforscht das seit 1996 im denkmalgeschützten ehemaligen Hafenbahnhof situierte Zeppelin Museum Konstruktionen und Projektionsflächen des Phänomens.
Der Kult um den Zeppelin und seinen vor hundert Jahren verstorbenen gleichnamigen Erfinder wird thematisch gegliedert präsentiert und zeigt sich in so verschiedenen Objekten wie Cocktail-Shaker und Reliquien aus Aluminiumresten von Zeppelin-Gerippen. In den Zwanziger- und Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts waren diese Luftfahrzeuge allgegenwärtig, wenn sich auch die wenigsten Menschen eine Reise leisten konnten, was mit einigen Exponaten beleuchtet wird. Die Abteilung Ölgemälde präsentiert hingegen mehrere ‹Seestücke›, auf denen Luftschiffe über wilden Wellen dräuende Wolken bezwingen.
Nach der Durchschreitung etlicher Türen, Treppen und Vorhänge wähnt man sich dann tief im Bauch eines Luftschiffes und trifft unversehens auf 16 junge Menschen, die im Werk ‹King! A Portrait of Michael Jackson› von Candice Breitz synchron singend ihrem Idol huldigen. Vom Versuch, einen Kult schon gar nicht entstehen zu lassen, berichtet Dani Gal in ‹Nacht und Nebel›. Ein fiktives Reenactment inszeniert die Kremation Adolf Eichmanns, dessen Asche danach über dem Mittelmeer ausgestreut worden war, um die Bildung einer Kultstätte zu verhindern.
Die Dauerausstellung befasst sich detailreich mit der Geschichte der Luftschifffahrt und bietet durch den originalgetreuen Teilnachbau einen Eindruck von der Grösse der ‹Hindenburg›. Auf Anmeldung sind Bibliothek und Archiv zugänglich; das Museum pflegt auch den Nachlass des Fotografen Andreas Feininger (1906-1999). Zwischen Friedrichshafen und Romanshorn verkehrt stündlich die im GA inbegriffene Fähre, ab Konstanz flitzt ein privater Katamaran über den Bodensee. Gäste sind sowohl im Museum als auch auf der Terrasse des Restaurants über der Hafenpromenade bestens aufgehoben.

Bis: 15.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Kult! Legenden, Stars und Bildikonen [02.06.17-15.10.17]
Institutionen Zeppelin Museum [Friedrichshafen/Deutschland]
Autor/in Thomas Schlup
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