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Hinweis
10.2017




Langenbruck : Hans Josephsohn


von: Iris Kretzschmar

  
Hans Josephson · Ausstellungsansicht Kloster Schönthal, 2017. Fotos: Heiner Grieder


Schon seit vielen Jahren hütet eine grosse Kopfplastik von Hans Josephsohn (*1920, Königsberg - 2012, Zürich) das Portal der Klosterkirche Schönthal. Sie passt sich dort so selbstverständlich ein, dass man sie fast übersehen könnte. Die ehemalige Abtei aus dem Jahr 1145 ist prädestiniert für eine Ausstellung des Bildhauers. Noch zu Lebzeiten zeigte Josephsohn 2007 seine Arbeiten im Kirchenraum und war vom Ort sehr angetan: «Wir gehören eigentlich zusammen.» In der Stille der klösterlichen Umgebung und vor der romanischen Architektur tritt die Zeitgenossenschaft seiner Werke umso augenfälliger in Erscheinung.
Im Aussenraum platziert sind Liegende, Stehende, Köpfe und Halbfiguren - Fotografien und eine kleine Ruhende finden sich im Innern -, der Kirchenraum selber bleibt wohltuend leer. Dynamisch verdichtet sind die Wandreliefs mit meist zwei Protagonisten. Laut Josephsohn sind sie «aus Konfliktsituationen» heraus in Ton entstanden. Gefühle manifestierten sich zunächst als flüchtige, handteller­grosse Skizzen. Die formende Hand im weichen Material ist in den Abgüssen noch spürbar. Bevor sie in Gips gegossen wurden, blieben sie oft viele Jahre liegen, konnten auch zerstört oder völlig verwandelt werden, um in fünf- bis zehnfacher Vergrösserung eine neue Gestalt zu erlangen. In der Transformation wandeln sich die Gefühle zu etwas Prototypischem und erhalten eine allgemeine Gültigkeit, wie eine Art Vokabular von gelebten Emotionen.
Ähnlich Essenzielles zeichnet auch die freistehenden Arbeiten aus, die zunächst in Gips entstanden, später in Messing gegossen wurden. Die Figuren entfalten eine starke körperliche Präsenz, gepaart mit einer innewohnenden Fragilität. Charakteristisch sind die grob bearbeitete Oberfläche und die fein aufeinander abgestimmten Volumen. Andeutungen von Gesichtszügen sind in den Darstellungen kaum noch sichtbar. Auch wenn einige davon gelegentlich Namen wie ‹Verena› oder ‹Lola› tragen, sind es keine Porträts. Abbild und Narration lässt Josephsohn weit hinter sich. Vielmehr geht es um eine innerliche Koinzidenz, den Menschen in seinem Wesen zu erfassen.

Bis: 05.11.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Hans Josephsohn [07.05.17-05.11.17]
Institutionen Kloster Schönthal [Langenbruck/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
Künstler/in Hans Josephsohn
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