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10.2017




Ligornetto : Lawrence Carroll


von: Barbara Fässler

  
links: Lawrence Carroll · Museo Vincenzo Vela, Ligornetto - Sala XVI. Foto: Antonio Maniscalco
rechts: Lawrence Carroll · Museo Vincenzo Vela, Ligornetto - Sala VII. Foto: Antonio Maniscalco


Mit seinem Ausstellungstitel ‹Ich wollte fort, seit langer Zeit›, einem Gedicht von Dylan Thomas entnommen, spricht Lawrence Carroll die Sehnsucht von jenen an, die ständig unterwegs sein möchten, äusserlich oder -falls körperlich verhindert - innerlich. Es ist das Sehnen eines von tiefer Unruhe Gejagten, eines durch Neugierde angetriebenen Suchenden. Als Kind zog der von Australien nach Kalifornien eingewanderte Carroll von Zimmer zu Zimmer und probierte alle Räume aus, um zu entscheiden, wo er sich niederlassen wollte. In seinen Malereien sedimentiert sich das Prinzip des nimmer enden wollenden Auskundschaftens in unzählbaren Schichtungen subtiler Tonabstufungen der Leinwandfarbe, die das Dagewesene immer wieder überdecken, in einem jahrelangen Arbeitsprozess. In die unterschiedlich grossen Bildobjekte fügt der Künstler Gegenstände oder Zeitungsausschnitte mit Begriffen wie «Migration» - oder auch Hommagen an Künstler der Minimal Art und der Abstraktion ein. So werden die Bildobjekte zu Schachteln, Beigen, Skulpturen und Bricolagen, die er sorgfältig aufeinander abgestimmt im Raum installiert. Dabei interessiert ihn weniger die rationale Seite als der präzise Raumbezug. Nicht das Perfekte, sondern das Menschliche, Unvollkommene zieht den Australier an: Seine Werke sind voller Flickstellen, übereinander geklebter Blumenstoffe, abgesägter und wieder eingefügter Ecken, durchlöcherter und ausgeschnittener Oberflächen. Die Schichtungen von Öl- und Wachsfarben in Beige-, Gelb- und Hellblautönen visualisieren vergangene Zeit, das Scheitern und Neuanfangen. Die Ausstellung in der Villa des Bildhauers Vincenzo Vela aus dem 19. Jahrhundert wird von einem reichen Programm begleitet. So haben die Soundartisten Steve Piccolo und Gak Sato die Themen des Machens und des Scheiterns in ihre Performance aufgenommen und den Rundgang mit digital verfremdeten Hammerschlägen und Schleifklängen rhythmisiert. Der räumliche Dialog zwischen den weissen Gipsoriginalen von Vela und den hellen Malereiobjekten von Carroll wird so durch die verzaubernden Klänge von Piccolo und Sato in die vierte Dimension der Zeit überführt.

Bis: 15.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Lawrence Carroll [14.05.17-15.10.17]
Institutionen Museo Vincenzo Vela [Ligornetto/Schweiz]
Autor/in Barbara Fässler
Künstler/in Lawrence Carroll
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