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Hinweis
10.2017




Pontresina : ...mit fremden Augen sehen


von: Céline Gaillard

  
links: Ines Marita Schärer · Aurora, 2017, Gratis­nummer 0800 001216, Audio, 8'30''
rechts: Patricia Jegher · Radis, 2017, Cyanotypie auf Papier, in historischem Holzkästchen, hinter Glas, 17,5x19 cm


Jeden dritten Sommer laden die Kunstwege / Vias d'art in Pontresina dazu ein, den Ferienort neu zu entdecken und die Sicht auf vertraute Dinge zu verändern. Die vierte Sommerausgabe steht entsprechend unter dem Titel «...mit fremden Augen sehen». Eingeladen wurden fünfzehn Kunstschaffende aus Graubünden, der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein.
Mit ihrem Schriftzug ‹Ho un Sogno› räumt Karin Karinna Bühler (*1974) den Träumen der Saisoniers in Pontresina und zugleich der Unsicherheit ihrer zukünftigen Arbeits- und Wohnorte Platz ein. Haben sich die zahlreichen Saiso­niers, die häufig Italienisch, Portugiesisch oder auch Tamilisch sprechen, ihren Traum erfüllt? Es ist eine der auf den Ort bezogenen Arbeiten, die auch eine kritische Haltung einnehmen. Eine andere ist ‹Aurora›, 2017, von Ines Marita Schärer (*1987). Die Künstlerin, die von einem bereits existierenden Schriftbild an der Fassade eines Personalhauses ausgeht, knüpft thematisch ebenfalls an die Wohnsituation und Lebensbedingungen von Hotelangestellten an und eröffnet zugleich imaginäre Räume. Ihre Audio-Arbeit ist unter einer Gratisnummer zu hören. Mit einer ihrer zwei Videoinstallationen würdigt auch Ursula Palla (*1961) die alltäglichen Arbeit, die hinter Kulissen stattfindet. Hannes (*1938) und Petruschka Vogel (*1943) knüpfen indes an den fremden Blick an, wenn sie die Namen von 22 Persönlichkeiten, die nach Pontresina gekommen sind, auflisten. Formale Annäherungen an architektonische und traditionelle Begebenheiten machen u.a. Almira Medaric (*1992) und Patricia Jegher (*1966) und schärfen damit die Wahrnehmung für Details. Andere Umsetzungen des Ausstellungsthemas erfolgen medial: Während Arno Oehry (*1962) fremde Stimmgaben für seine Audio-Intervention nutzt, tritt Gaudenz Signorell (*1950) in einen fotografischen Dialog mit Daguerreotypien von Jos Schmid (*1972). Eine Prise Ironie verleiht der ernsten Ausstellungsthematik Annina Thomann (*1987), wenn sie sich im Rahmen des «Bundesamts für Kuriositäten» gleichsam als Forscherin betätigt und mit Postkarten und Objekten auf ein 13'000 Jahre altes Bakterium hinweist, das in Permafrost konserviert wurde, und die Frage nach dessen Nutzen, Gefahr oder Ausbreitung in unserer Gesellschaft stellt.

Bis: 19.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Kunstwege - Vias d'Art Pontresina 2017 [24.06.17-19.10.17]
Institutionen Sommerskulpturenweg [Pontresina/Schweiz]
Autor/in Céline Gaillard
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