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10.2017




Rapperswil : Schiena da vedro


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Aldo Mozzini · Grottino (Innenansicht der Installation), 2014
rechts: Aglaia Haritz · Madonne Palestinesi, 2010


Was auf gut Tessiner Italienisch «Glasrücken» heisst, bedeutet so viel wie «Faulpelz». So wurde Aldo Mozzini (*1956, Locarno) taxiert, als er den Wunsch äusserte, Künstler zu werden. In seinem Milieu gab es keine Vorbilder für ein solches Leben - bis der an der Accademia di Brera studierte Maler und Plastiker Flavio Paolucci, (*1934, Torre), der sich damals gerade wieder in den Sopraceneri zurückgezogen hatte, bei seinem Vater eine Maschine verzollen musste und den jungen Mann, auf Bitte des Vaters, etwas unter die Flügel nahm.
Unter dem anschaulichen Schimpfwort versammelt nun der Leiter des Kunst(Zeug)Haus Peter Stohler die beiden Künstler mit vier jüngeren Kollegen/innen und lädt zu einer Auslotung der Szene in der Südschweiz ein. Durch die Konzentration auf ausgewählte Werke von nur sechs Figuren vermag die Schau vor allem die für die Tessiner Kunstschaffenden nach wie vor akzentuierten Bewegungen zwischen Aufbrüchen in die Zentren der Kunst und die Rückbesinnungen auf die persönlichen Wurzeln ergreifend zu erfassen. So versetzt uns Paolucci mit Schaufeln und Rechen, die er mit duchampschen Strategien wie auch archaischen Gesten in eine ihm noch vertraute bäuerliche und handwerkliche Vergangenheit zurück. Während uns Mozzini mit den zwei Installationen ‹Grottino 03› und ‹Dogana 03›, die von Appropriation und zeichnerischen Eingriffen leben, in Raumgefühle seiner Kindheit und Jugend versetzt, führt bei den zwei jüngsten Positionen die Dynamik des Weggehens und des Zurückkommens in die geradezu gegenläufige Richtung. Bewegt sich die heute in Zürich lebende Valentina Pini (*1982, Sorengo) mit ihren teils gefilmten und fotografierten, verfremdeten Objekten in einer digitalen Realität, kreist die nach Genf übersiedelte Nina Haab (*1985, Bellinzona) mit ihren in entsorgtes Mobiliar geritzten Fotos explizit um die historische Verwurzelung von Individuen und Kollektiven in ihrer Heimat. Auf die Suche nach dem Eigenen im Fremden haben sich schliesslich die beiden Mid Career Artists begeben. So befragt die Malerin und Stickerin Aglaia Haritz (*1978, Bellinzona) weibliches Dasein mit eigenen oder zusammen mit syrischen Flüchtlingsfrauen und asiatischen Dienstmädchen erzeugten ­Werken, während der Fotograf Gian Paolo ­Minelli (*1968, Chiasso) Ränder und Grenzen der Zivilisation zum Leitmotiv seiner international geführten Arbeiten gemacht hat.

Bis: 29.10.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Kunstszene Tessin [20.08.17-29.10.17]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Aldo Mozzini
Künstler/in Flavio Paolucci
Künstler/in Valentina Pini
Künstler/in Nina Haab
Künstler/in Aglaia Haritz
Künstler/in Gian Paolo Minelli
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