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Hinweis
10.2017




Sachseln : Ins Zentrum


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Andrea Wolfensberger (vorne) und Gianfredo Camesi (hinten) · Installationsansicht Museum Bruder Klaus Sachseln, 2017
rechts: Roland Heini (vorne) und Malerei von Monika Dillier (hinten) · Installationsansicht Museum Bruder Klaus Sachseln


Im Keller des Museums Bruder Klaus hat Roman Signer drei Autoreifen mit Speichen zu einer labilen Pyramide aufgeschichtet. Im Barockgarten stellte René Küng ein Kalkstein-Rad mit acht Speichen auf und platzierte daneben eine filigrane Holz-Skulptur. Die senkrechten Speichen des Rads führen nach oben und werden Teil einer Leiter. Ebenfalls im Garten stossen wir auf ein riesig auftrumpfendes und schwergewichtiges eisernes Räderwerk von Vincenzo Baviera. Bescheiden in intimer Raumsituation im zweiten Obergeschoss des herrschaftlichen Hauses hängt von Christian Kathriner die Bronzeskulptur ‹Zirkelschlag›, der Abguss eines zu einem Ring gebogenen Astes - ein natürlicher Kreis ohne Anfang und Ende. Im Treppenhaus lässt die kreisrunde Uhr in Claudia Küblers Video buchstäblich die Zeit verstreichen, und in einem Raum daneben zieht das Aquarell ‹Das grosse Auge› von Monika Dillier die Besuchenden in die Tiefe. Im gleichen Zimmer fügen sich feine Metallobjekte, Kreise, Segmente, Umrissfragmente von Jean Mauboulès zu einer luftigen Kreisform. Übers ganze Treppenhaus verteilen sich die Acrylmalereien auf Sperrholz von Stefan Steiner: In vielfacher Übermalung verweisen rotierende Pinselbewegungen auf ein permanentes Kreisen ohne Anfang und ohne Ende. Dies ist nur ein Teil der Werke, die Urs Sibler zur Ausstellung ‹Ins Zentrum - Radbilder und Räderwerke› zusammentrug. Er beschliesst damit seine zehnjährige nachhaltige Tätigkeit als Leiter des Hauses. Es ist eine weit ausgreifende und teils prominent und mitunter auch recht eigenwillig besetzte Schau geworden. Sie setzt im Jubiläumsjahr ‹600 Jahre Niklaus von Flüe› einen gewichtigen Akzent und geht aus vom Betrachtungsbild von Bruder Klaus, dem Rad mit sechs Speichen, von denen drei ins Zentrum hinein und drei vom Zentrum hinaus führen. Die Schau weist jedoch über den konkreten Bruder-Klaus-Bezug weit hinaus in grundsätzliche existenzielle Tiefen des Lebens. Das wirkt sich auch auf die stimmige und meditative Atmosphäre der Ausstellung aus, zu der die Kunstschaffenden beziehungsreiche und hintergründige Werke beigesteuert haben. Das fördert zweifellos die Ausstrahlung des Museums, das sich einem ständigen Spagat verpflichtet sieht: Auf der einen Seite hat das Haus mit seinen Informationen zum Ranft-Heiligen den zahlreichen Pilgern, die sich in Sachseln einfinden, zu dienen; auf der anderen Seite machen Ausstellungen das Museum zu einem Ort der Begegnung mit aktueller Kunst, die, dem Geist des Ortes entsprechend, spiritueller Deutung offensteht.

Bis: 01.11.2017



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Ausgabe 10  2017
Ausstellungen Ins Zentrum - Radbilder und Räderwerke [09.04.17-01.11.17]
Video Video
Institutionen Museum Bruder Klaus [Sachseln/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
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